barfußschuhe
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Barfußschuhe für ein besseres Körperbewusstsein?

Tag für Tag müssen unsere Füße das Gewicht unseres Körpers umhertragen; im Schnitt 8-10.000 Schritte. Auf das gesamte Leben gerechnet bedeutet das, wir umrunden zu Fuß sage und schreibe 3 Mal die Erde!

Diese Höchstleistung scheint kaum jemanden bewusst zu sein: Anstatt entsprechender Wertschätzung, schenken wir unseren Füßen kaum Beachtung und stecken sie stattdessen überwiegend in viel zu kleines Schuhwerk. Eingezwängt „sollen sie nun mal machen, wofür sie da sind“.

Wir gelangen zu dieser gesundheitsschädigenden Einstellung aber nicht erst im Erwachsenenalter. Schon von klein auf werden wir an enge, gepolsterte Schuhe gewöhnt, die unsere Fußmuskulatur verkümmern lassen. Durch deren harte, unflexible Sohle und dem wenigen Platz für die Zehen haben wir gar keine andere Möglichkeit als im Fersengang zu gehen, egal ob dieser zu uns passt oder nicht.

Doch damit nicht genug: Auch das Erkunden der verschiedenen Untergründe geht durch die dicke Sohle verloren, was total schade ist. Wiese, Sandstrand und Waldboden SEHEN nämlich nicht nur anders aus, sondern FÜHLEN sich für die Füße auch anders an.

Das Beste wäre es also barfuß zu laufen, gäbe es nicht noch das Problem mit stacheligen Gewächsen, Glasscherben, geteerten Untergründen, etc. Doch genau dafür gibt es Barfußschuhe: Sie verbinden ausreichend Schutz für die Füße mit den Vorteilen des Barfußlaufens.

Was sind Barfußschuhe? An diesen Merkmalen erkennst du sie

Barfuß und Schuhe klingt ziemlich widersprüchlich; ich weiß.

Damit sind aber einfach Schuhe gemeint, die das Barfußlaufen so gut wie möglich nachempfinden. Unterschiedliche Merkmale sorgen dafür:

Die Sohle

Die Sohle von Barfußschuhen ist viel dünner als die von herkömmlichen (max. 10mm) und sehr flexibel, wodurch sie in allen Richtungen verbogen werden kann. Ersteres ist wichtig, um den Untergrund so gut wie möglich fühlen zu können, Letzteres erlaubt ein natürliches Auftreten und Abstoßen beim Gehen.

Es gibt also keine Federung oder Polsterung; die Muskeln, Bänder und Sehnen müssen wieder aktiv die Laufbewegung ausüben. Damit sie dabei nicht überlastet werden, solltest du dich erstmal langsam(!) an Barfußschuhe gewöhnen.

Nullabsatz

Barfußschuhe enthalten nicht nur keine Federung, sondern auch keinen Absatz. Ballen und Ferse befinden sich folglich auf gleicher Ebene; in der Fachsprache heißt das „die Sprengung liegt bei null“ oder „Schuhe ohne Sprengung“.

Was das bringt?
Je geringer die Sprengung, umso flexibler und beweglicher müssen Fußknöchel und Waden sein. Das ist wiederum gut für deine Fußmuskulatur und wichtig für die Nachahmung vom Barfußlaufen, weil sich deine Fersen und Zehen von Natur aus ja auch auf gleicher Höhe befinden.

Zehenfreiheit

Die Zehen spielen eine wichtige Rolle beim Laufen. Nur wenn sie ausreichend Platz haben, können sie sich beim Auftreten spreizen, um die Belastung abzufangen. Herkömmliche Schuhen verhindern das: Der nach vorne hin spitz zulaufende Schnitt engt die Zehen ein und ein natürliches Gehen ist unmöglich.

Zudem erlaubt der Freiraum eine genauere Erforschung des Bodens. Etwaige spitze Gegenstände, ob es sich um einen flachen oder steilen, warmen oder kalten Untergrund handelt kann besser wahrgenommen werden. Diese Informationen sind für unser Nervenzentrum wichtig, um die gesamte Motorik optimal zu steuern.

barfußlaufen mit barfußschuhen
Ist der Untergrund hart, weich, kalt oder warm? Nimm ihn bewusst wahr

Gewicht

Was mir sofort aufgefallen ist, war das geringe Gewicht meiner Barfußschuhe. Das ist aber nicht nur bei meinem Modell so: Schuhe dieser Kategorie sind grundsätzlich viel leichter. Dadurch sind sie angenehm zu tragen, aber auch beim Gehen spielt das eine nicht unbedeutsame Rolle. Schwerere Schuhe lassen nämlich deinen Fuß weiter nach vorne schwingen, was deine Gangart beeinflusst.

Ballengang oder Fersengang?

Jetzt wo du die Merkmale und die Vorteile von Barfußschuhen kennst, stellt sich natürlich die Frage: Wie sollst du damit laufen? Im Ballen- oder Fersengang?

Das ist wohl die Streitfrage schlechthin unter Barfußläufern.

Während die einen den Ballengang (Auftreten mit Vorderfuß) ganz logisch finden, gibt es auch die Befürworter des Fersengangs (Auftreten mit Ferse). Ich muss sagen, dass beide Gangarten ihre Berechtigung haben.

Zuerst muss man mal unterscheiden zwischen laufen und gehen. Beides sind nämlich unterschiedliche Bewegungen: Bei Ersterem geht das Knie nach oben und kommt dann mit einer Kreisbewegung wieder auf den Körper zu. Bei Letzterem drückt man sich hingegen ab, das Bein pendelt nach vorne und setzt vor dem Körperschwerpunkt wieder auf.

ballengang oder fersengang bei barfußschuhen
Hier sieht man die Pendelbewegung beim Gehen; diese Person setzt zuerst die Ferse auf

Falls es dir schwerfällt dir das vorzustellen, dann kannst du auch beide Bewegungen (barfuß) in deinem Zimmer ausprobieren und den Ablauf beobachten. Versuche dabei aber nichts zu verändern, sondern das Ganze instinktiv zu machen und achte auch, ob zuerst die Fersen aufkommen oder die Ballen.
Probiere dann nochmals beide Bewegungen mit herkömmlichen Schuhen; fällt dir ein Unterschied auf?

Bei den meisten lässt sich nämlich eine interessante Beobachtung machen: Lässt man sie mit Schuhe LAUFEN, benutzen sie den Fersengang. Machen sie das Ganze barfuß, wechseln fast alle automatisch zum Ballengang.
Beim GEHEN sieht das anders aus: Manche verändern die Gangart, manche nicht.

Während man also daraus ableiten kann, dass der Ballengang fürs Laufen natürlicher ist, variiert das beim Gehen. Deshalb halte ich auch allgemein formulierte Aussagen wie: „Wir sollten wieder im Ballengang gehen lernen“ (wie es häufig im Internet zu finden ist), für schwachsinnig. Es hängt einfach von der Bewegung und dem Menschen ab.

Was ich viel sinnvoller finde, ist intuitiv vorzugehen.

Finde deinen Stil

Wie ich dir schon ein paar Absätze vorher gesagt habe: Lass deinem Körper Zeit sich an die Barfußschuhe zu gewöhnen. Zuallererst würde ich dir raten einfach mal zu Hause die Pantoffeln auszuziehen und barfuß umherzulaufen.

Setzt du intuitiv mit der Ferse oder den Ballen auf? Falls Ersteres der Fall ist, dann probiere einmal ein flacheres Auftreten mit dem Vorderfuß. Wie fühlt es sich an?

Versuche nun langsam die Übung auszudehnen und länger barfuß zu gehen. Sollten deine Waden oder Füße anfangen zu ziehen, dann wechsle wieder zu herkömmlichen Schuhen und mach den nächsten Tag weiter. Wahrscheinlich wirst du mit der Zeit ein gutes Gefühl bekommen, wann genug ist.

Falls du deine Fußmuskulatur schon ans Barfußgehen gewöhnt hast, kannst du auch das Barfußlaufen ausprobieren. Auch hier solltest du anfangs immer noch herkömmliche Schuhe mitnehmen, damit du deine Füße nicht überlastest.

Das wichtigste bei dem Ganzen ist aber die Wahrnehmung: Wie fühlen sich Pflastersteine an im Vergleich zu Gras? Merkst du den Unterschied wenn es geregnet hat im Gegensatz zu trockenem Boden? Dasselbe bei der Gangart: Was fühlt sich für DICH natürlich an? Der Ballengang? Der Fersengang?

Lass dich nicht irritieren von den ganzen Ballengang-Befürwortern; es gibt Leute, die diese Gangart auch nach monatelangem Probieren noch als unnatürlich wahrnehmen. Andererseits kann sie sich aber auch total stimmig für dich anfühlen.

Du siehst: Es geht darum, die für DICH richtige Lauf-und Gehform herauszufinden und nicht sich auf biegen und brechen an eine Gangart anzupassen.

Fazit

Vor allem das Thema Ballengang, aber auch Barfußschuhe im Allgemeinen haben in den letzten Jahren einen regelrechten Hype erlebt. Das nicht zu unrecht: Das Körpergefühl ist ganz ein anderes, wenn wir wieder den Vorgang des Gehens und Laufens bewusst ausüben.

Jedoch lassen sich viele Neueinsteiger von den ganzen Informationen irritieren und gehen viel zu verkrampft an die Sache. Die Folge ist, dass sie den Spaß daran verlieren oder sogar noch schlimmer: Gar nicht mehr wissen, wie sie denn nun gehen sollen.

Deshalb lautet mein Rat: Höre auf deinen Körper und du findest automatisch deinen natürlichen Gang, wie du richtig stehst usw. Denn um genau das soll es beim Barfußlaufen doch gehen: Um das bewusste Wahrnehmen.

Interessante Links:

https://www.barfuss-schuhe.net/ratgeber-barfussschuhe/originale-barfussschuhe-merkmale/13184/

hhttps://www.youtube.com/watch?v=J2wmUQ2kRG4

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