Sind Biokunststoffe die Lösung für die Plastikverschmutzung?
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Biokunststoffe: Wegbereiter für eine Zukunft ohne Plastik?

Egal ob beim frühmorgendlichen Gang zur Kaffeemaschine (ohne die die meisten von uns wohl keinen Tag überleben würden), beim Zubereiten des Mittagessens oder beim Wäsche aufhängen: Überall sind wir mit Plastik konfrontiert-auch wenn dies auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist.

In der Tat bietet das Material große Vorteile, u.a. extrem günstig in der Herstellung und ziemlich leicht im Gewicht zu sein. Es ist also kein Wunder, dass es so vielseitig eingesetzt wird und sogar in Kleidung verarbeitet ist.

Doch so verlockend seine Eigenschaften auch sein mögen, so verheerend sind die Nachteile: Produziert aus fossilen Rohstoffen (v.a. Erdöl, Erdgas, Steinkohle) trägt Plastik zu den Verlust dieser nicht erneuerbaren Ressourcen bei. Schritt für Schritt wird also die Erde ausgerottet-bei diesem Vorgang sind wir schon weit vorangeschritten.

Genauso folgenschwer ist die Widerstandsfähigkeit des Materials. Eine Plastikflasche braucht beispielsweise bis zu 450 Jahre, um vollständig abgebaut zu werden! Wir haben also einen Stoff erschaffen, den wir tagtäglich benutzen, aber bei dessen Auswirkungen wir nicht mehr Herr der Lage sind…

Dass dieses Problem nicht neu ist, zeigen die zahlreichen Versuche darauf zu verzichten und auf Alternativen zu setzen. So haben sich z.B. Biokunststoffe etabliert, die oft als das neue, gute Plastik verkauft werden.

Ist dem aber wirklich so? Sind Biokunststoffe tatsächlich besser als herkömmliches Plastik? Können sie den Grundstein für einen nachhaltige Zukunft bilden?

Biokunststoff?! Was ist das?

Während relativ klar ist was Bio bei Lebensmitteln bedeutet, sieht das bei Biokunststoffen anders aus. Um diese Bezeichnung benützen zu dürfen, muss der Kunststoff entweder aus biologischen Rohstoffen bestehen oder aber biologisch abbaubar sein. Beides geht natürlich auch.

So kommt es zu folgenden drei Unterteilungen:

  • Biobasierte Kunstoffe: z.B. Celluloseester (CA), Bio-Polyethylen (PE), Polyethylenfuranoat (PEF)
  • Biobasierte und biologisch abbaubare Kunstoffe: z.B. Polyhydroxyalkanoate (PHA), Thermoplastische Stärke (TPS), Polylactide (PLA)
  • Biologisch abbaubare Kunststoffe: z.B. Polycaprolacton (PCL), Polybutylenadipat-terephthalat (PBAT), Polybutylensuccinat (PBS)

Zur Erklärung: Biobasiert bedeutet, dass der Kunststoff (teilweise) aus nachwachsenden Rohstoffen -meist Mais, Zuckerrohr oder Stärke- besteht. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass er biologisch abbaubar ist! Umgekehrt heißt biologisch abbaubar nicht automatisch, dass der Biokunststoff aus Biomasse gefertigt ist. Er kann auch auf Basis fossiler Rohstoffe hergestellt sein (wie herkömmliche Kunststoffe).

Wozu werden Biokunststoffe gebraucht?

Je nach Struktur des Biokunststoffes ergibt sich sein Einsatzgebiet. Grundsätzlich finden sie weniger im elektronischen und textilen Sektor Verwendung; stattdessen sind sie vor allem im Bereich der Verpackungen beliebt.

Dort können sie mit denselben Techniken und Maschinen wie die von herkömmlichen Kunstoffen bearbeitet werden. Durchgesetzt hat sich v.a. die Produktion von Tragetaschen und Tüten, aber auch Behältnisse für Gemüse, Obst, Getränke und Molkereiprodukte sind weit verbreitet.

So hast vermutlich auch du bereits deinen Joghurt in einer biologisch abbaubaren Einkaufstüte nach Hause getragen und den Becher aus Biokunststoff vielleicht sogar in einer kompostierbaren Mülltüte entsorgt.

Oder du hast möglicherweise wieder mal schnell was zum Futtern gebraucht und beim Asiaten das To-go-Angebot genützt? Auch hier ist es ziemlich wahrscheinlich, dass Einwegverpackungen und-besteck aus Biokunststoff waren.

Andernfalls sind Biokunststoffe auch im medizinischen Bereich zu finden, in Form von Zahnschienen, Membranen zur Wundabdeckung (z.B. bei Verbrennungen), chirurgischen Schrauben oder Nahtmaterial. Besonders bei letzteren Zwei ist es nützlich, dass sie nach geleistetem Dienst im menschlichen Körper abgebaut werden können.

Sind Biokunststoffe wirklich die bessere Alternative?

Wenn Biokunststoffe so vielfältig einsetzbar und so verbreitet sind, stellt sich natürlich die Frage: Sind sie denn auch besser als herkömmliche Kunststoffe?

Um eine Antwort darauf zu geben, muss man zuerst besser definieren. Wie in der Einleitung erwähnt, haben auch herkömmliche Kunststoffe durchaus ihre Berechtigung: Plastik ist beispielsweise widerstandsfähig, günstig, leicht, wasserfest und flexibel.

Das Problem ist allerdings das Ausmaß, in welchem es gebraucht wird (laut Statistik wurden alleine 2019 weltweit circa 368 Millionen Tonnen Plastik produziert!) und dass der Kreislauf nicht zu Ende gedacht ist: Es wird viel mehr neues Plastik produziert (dessen daraus gefertigte Produkte nur kurze Zeit nutzbar sind) als altes wiederaufbereitet werden kann.

Wenn wir also immer für neuen Nachschub von Plastik (und anderen Kunstoffen) sorgen, aber keine Lösung für die vollkommene Verwertung gefunden haben und auch die Umwelt Ewigkeiten braucht, um den Stoff zu zersetzen, dann ist die logische Konsequenz genau der Zustand, in dem wir uns heute befinden: Die völlige Zerstörung des Planeten.

Biokunststoff als Alternative für Plastik?

Vergleichen wir im Punkt Zersetzbarkeit herkömmliche Kunststoffe mit biologisch abbaubaren, haben Letztere die Nase vorn. Wie du bereits weißt, weisen allerdings nicht alle Biokunststoffe diese Eigenschaft auf, genauso wie es welche gibt, für deren Herstellung ebenso die endlichen (Erdöl-)Ressourcen bedient werden.

Bei solchen aus fossilen Rohstoffen geschaffenen Biokunststoffen (PCL,PBAT,PBS) ist da zusätzlich noch das Problem mit dem Mikroplastik: Sie zerfallen zwar unter Einfluss von UV-Licht, Hitze oder Feuchtigkeit, aber nicht ihre Ausgangsmaterialien, sondern vielmehr in ultra kleine Partikel. Tiere halten diese wiederum für Nahrung, fressen sie und sterben schließlich daran.

Wie also bei herkömmlichen Kunstoffen ist auch hier die korrekte Entsorgung und das richtige Recycling ausschlaggebend.

Wie werden Biokunststoffe richtig entsorgt?

Auch wenn der Name des Materials dies suggeriert, dürfen Produkte aus Biokunststoff nicht in der Biotonne entsorgt werden. Die Kompostierungsanlagen haben nämlich ein spezielles System, mit dem altes Grüngut sehr schnell zersetzt wird.

Der Abbau von z.B. einer Biokunststofftüte würde jedoch wesentlich länger dauern und somit den Prozess stören. Auch auf den Komposthaufen im eigenen Garten sollte sie nicht gelangen, weil dort andere Bedingungen herrschen.

Stattdessen wird die Entsorgung über den Restmüll empfohlen. Bei dessen Verbrennung kann immerhin die entstehende Wärme genutzt werden, auch wenn dann kein Recycling mehr möglich ist.

Apropos Wiederaufbereitung: Die Struktur der Biokunststoffe würde Recycling zwar grundsätzlich ermöglichen, die entsprechenden Anlagen sind aber technisch nicht ausgestattet, um Biokunststoffe von herkömmlichen zu unterscheiden.

Fazit

Biokunststoffe setzen bei der Verbrennung zwar nur so viel CO2 frei, wie die Pflanzen ursprünglich gespeichert haben (und sind somit klimaneutral), allerdings bringen sie ein erhöhtes Versauerungs- und Eutrophierungsrisiko mit sich.

Zum jetzigen Zeitpunkt haben sie also definitiv keine bessere Ökobilanz als herkömmliche Kunststoffe und bieten deshalb meiner Meinung nach auch keinen langfristigen Ersatz. Erst wenn die Herstellung billiger und energieeffizienter und das Recycling optimiert wird, könnte sich dies ändern.

Anstatt jedoch zu warten bis dieser Prozess vonstatten geht, halte ich es für sinnvoller seinen Konsum zu überdenken, zu versuchen unnötigen Verpackungsmüll zu vermeiden und generell achtsamer mit den Ressourcen umzugehen.

QUELLENNACHWEISE (abgerufen am 25.-29.11.2021)

https://www.biooekonomie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/biopolymere-rohstoffe-fuer-innovative-medizinprodukte

https://www.chemie.de/lexikon/Biokunststoff.html

https://blog.ratioform.de/bio-kunststoffe-was-steckt-hinter-recycelbaren-oxo-abbaubaren-und-biobasierten-kunststoffen/

https://www.oekotest.de/freizeit-technik/Bioplastik-Wie-umweltfreundlich-und-nachhaltig-sind-Biokunststoffe_600676_1.html

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