Als hochsensible Person Kraft in der Natur tanken
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Hochsensibilität-Das Gefühl der ermüdenden Überstimulation

Das Thema Hochsensibilität scheint umstritten zu sein. Manche (Psychologen) sagen, so was wie hochsensibel gibt es nicht. Andere sind wieder überzeugt, es würde sie geben, die hochsensiblen Menschen.

Letztendlich ist Hochsensibilität auch nur ein Begriff. Wenn das Thema dazu führt, dass du deine Bedürfnisse besser einordnen kannst bzw. du neue Erkenntnisse über dich erlangst, finde ich das allemal positiv. Ich verzichte in dem Artikel bewusst auf irgendeine wissenschaftlich fundierte Recherche, sondern teile lieber meine Erlebnisse und Erkenntnisse.

Was ist Hochsensibilität?

Als hochsensibel werden Menschen bezeichnet, die stärker auf Reize reagieren. Wir Überempfindsamen haben eine verstärkte Wahrnehmung von Gerüchen, Lichter und/oder Geräuschen. Das führt dazu, dass wir uns z.B. von hupenden Autos oder grellem Licht schneller gestört fühlen.

Grund dafür ist aber nicht, dass wir bessere Ohren, Augen oder eine bessere Nase haben. Unsere Reizverarbeitung ist eben nur tiefer. Das lässt sich auch auf emotionaler Ebene feststellen. Was für einen nicht Hochsensiblen wie ein Gefühlsausbruch scheinen mag, ist einfach unsere verstärkte Reaktion auf positive oder negative Situationen. So kommt es, dass wir schneller weinen müssen.

Uns Hochsensiblen fällt es schwer Unwichtiges von Wichtigem zu unterscheiden.
Wenn ich z.B. mit mehreren Leuten an einem Tisch sitze, dann höre ich nicht nur das, was mein Tischnachbar zu mir sagt. Ich höre automatisch auch das Gespräch, das gleichzeitig vom Rest der Gruppe geführt wird. Alles verschwimmt und vermischt sich. In dem Moment kann ich mich nicht auf mein Gespräch (das in dem Augenblick für mich Wichtige) konzentrieren.

Wie habe ich festgestellt hochsensibel zu sein?

Ich wusste lange nicht, dass es so was wie eine erhöhte Empfindsamkeit überhaupt gibt. In der Schule habe ich von meiner Mitschülerin dann das erste Mal das Wort “ Hochsensibilität“ gehört. Damals habe ich mich aber noch nicht damit beschäftigt, was das heißt.

Mit der Zeit konnte ich schließlich mich und meine Bedürfnisse besser kennenlernen. Ich habe gemerkt, dass bei mir was anders ist. Ich schien viel stärker auf äußere Reize zu reagieren als viele meiner Mitmenschen.

Überstimulation bei Hochsensibilität

Bei den Familienausflügen war es z.B. für meine Familie anscheinend kein Problem 6 Stunden ohne Pause Musik zu hören. Bei mir dröhnte stattdessen nach maximal 2 Stunden die Birne. Am liebsten hätte ich mich irgendwo an einen ruhigen Ort verkrümelt. Und es war nicht mal so, dass ich die Songs nicht gemocht hätte; nein; am Beginn konnte ich noch ganz beschwingt mitsingen.

Besonders schlapp bin ich bei Aufenthalten in Städten. Kürzlich habe ich in Wien eine Freundin besucht und da ist es mir wieder besonders aufgefallen. Die ganzen Geräusche, Gerüche und visuellen Reize haben mich total fertig gemacht. Einerseits höre ich den Lärm von der Straße, dann die Gesprächsfetzen der Passanten, visuell werde ich von Werbung bombardiert und an jeder Ecke steht ein Schnellimbiss.

Es ist so als würde sich nach einer bestimmten Zeit ein Kanal verschließen und dann kommt es zur Reizüberflutung. Ziehe ich mich nicht bewusst zurück und sorge für Ruhe, kann sich mein Akku nicht wieder aufladen. Ich folge den Gesprächen nur mehr halb, fühle mich schlapp und mir wird alles zu viel.

Wie erkennst du, ob du hochsensibel bist?

Jeder nimmt die Welt anders wahr und verarbeitet sie auch unterschiedlich. Das macht das ganze für Wissenschaftler so schwierig zu untersuchen. Trotzdem gibt es eine Möglichkeit, die dir vielleicht helfen kann, herauszufinden, ob du zu den Hochsensiblen gehörst oder nicht.

Bereits vor fünfundzwanzig Jahren hat die amerikanische Psychologin Elaine Aron einen Test (HSP-Skala) entwickelt mit 27 Fragen. Ist bei mehr als 14 Fragen deine Antwort „ Ja“, kannst du davon ausgehen zu den Hochsensiblen zu gehören. Weil der originale Test in Englisch verfasst ist, verlinke ich dir hier eine deutsche Version.

Sei dir bewusst, dass der Test keine 100%ige Sicherheit ist. Wenn du das Gefühl hast, deine Hochsensibilität schränkt dich stark ein (oder es dir anderweitig ständig schlecht geht), ist es besser professionelle Hilfe zu holen.

Es gibt auch spezielle Coachings für Menschen mit einer hohen Empfindsamkeit. Dazu kann ich dir leider keine Empfehlungen oder Tipps geben, weil ich selbst bei keinem teilgenommen habe. Wenn es dich aber interessiert, findest du im Netz einige Angebote.

Was kannst du dagegen tun?

Die Frage sollte eher lauten: Wie kannst du dich als hochsensiblen Mensch akzeptieren und schützen? Es macht nämlich nicht viel Sinn zu versuchen eine Grundeigenschaft von dir loszuwerden. Ich fände es auch schade, weil deine erhöhte Empfindsamkeit einige positive Aspekte mit sich bringt. Doch dazu werde ich später noch kommen.

Als erstes solltest du dir vor Augen führen, dass du damit nicht alleine bist. 15-20% sollen diese Eigenschaft haben. Das ist immerhin rund jede 5.te Person! Ich glaube, viele bemerken diese erhöhte Wahrnehmung und Reizverarbeitung, können sie allerdings nicht benennen. Die Anzeichen sind ja auch nicht so klar wie z.B. das Fieber bei einer Grippe.

Bist du einer der “Betroffenen“ solltest du deine Bedürfnisse kennen und sie auch äußern. Jeder hat eine Belastungsgrenze. Wenn deine unter denen deiner Freunde liegt, dann ist das so. Du hast es ja nicht bewusst ausgesucht. Hochsensibilität ist keine Krankheit und auch keine Schwäche! Wichtig ist, dass du kommunizierst, wann du genug hast.

Wenn du deinen Freuden erklärst, warum du dich heute nicht mit ihnen treffen kannst, ist das besser als gar keine Erklärung oder eine Ausrede zu liefern. Sonst kann das schnell zum Missverständnis führen als hättest du keinen Bock auf sie. Und ich würde zu behaupten wagen, wenn sie dich und deine Bedürfnisse nicht akzeptieren und respektieren, dann sind es keine wahren Freunde.

Leider ist es in unserer westlichen Gesellschaft fast schon verpönt Sensibilität zu zeigen. Besonders das männliche Geschlecht wird schnell als “Weichei“ abgestempelt. Dabei ist es so schade ein Teil seiner Persönlichkeit als negativ abzustempeln. Es gibt keinen idealeN Mann oder Frau!

Schreibe dir deine Wohlfühlliste

Nimm einen Zettel und schreibe alle Aktivitäten oder Dinge auf, die dich runterbringen. Das kann:

  • ein Spaziergang im Wald (mein Favorit)
  • ein heißes Bad
  • musizieren
  • ein Buch lesen
  • Meditation
  • etc… sein

Normalerweise sind es Sachen, die in Stille stattfinden und wo du alleine bist. So eine Wohlfühlliste ist wichtig, wenn dir mal alles zu viel ist und du nicht weißt wohin. Es hilft dir wieder in Balance zu kommen.

Ich versuche generell große Gruppen zu vermeiden. Überhaupt wenn ich den Großteil nicht kenne. Durch mein Einfühlvermögen möchte ich nämlich Menschen tiefgründig kennenlernen und verstehen wie sie wirklich ticken. Das funktioniert bei wenigen Menschen, nicht aber bei einer großen Gruppe, weil es viel Energie kostet sich wirklich auf jemanden einzulassen und zuzuhören.

Was wir Hochsensiblen besser können

So, jetzt hast du genug über die nicht so vorteilhaften Seiten der Hochsensibilität gehört. Endlich kann ich über die wunderschönen Seiten dieser Eigenschaft schreiben. Wie auch bei den negativen Aspekten, werden nicht alle dieser positiven Seiten auf jeden von uns zutreffen.

Dadurch, dass wir alles viel detaillierter wahrnehmen, sind wir sehr aufmerksam. Das bezieht sich nicht nur darauf, dass wir merken, wenn die Freundin eine neue Frisur hat. Uns fällt sofort auf, wenn es unserem Gegenüber nicht gut geht. Erzählt dieser, wo der Schuh drückt, können wir Hochsensible uns sehr gut in ihm hineinversetzen. Deshalb werden wir als gute Zuhörer bezeichnet.

Auch bei Diskussionen haben wir Hochsensiblen zwar vielleicht nicht dieselbe Meinung, aber weil wir uns eben so gut in andere hineinversetzen können, verstehen wir die Denkweise des anderen und seine Argumentation. Diese Fähigkeit Dinge von allen Seiten zu betrachten, führt dazu ganzheitlich denken zu können.

Was ich auch noch ganz toll finde: durch die gesteigerte Wahrnehmung, können wir nicht nur negative sondern auch positive Gefühle stärker spüren. D.h. die Hochs sind bei uns viel höher als bei einem nicht Hochsensiblen.

Hochsensibilität in der Liebe

Es braucht schon viel Geduld, Einfühlvermögen und vor allem Kommunikationsbereitschaft, für eine Partnerschaft zwischen einem von uns und einem Nicht-Überempfindsamen. Leichter ist es, wenn beide von derselben „Sorte“ Mensch sind, weil die Grundlage dieselbe ist. Dennoch glaube ich, kann es sehr bereichernd sein für beide, einen Einblick in die Welt des jeweils anderen zu bekommen. Wir sollten auf jeden Fall vermeiden, uns anzupassen (das gilt eigentlich für alle da draußen). Das führt dauerhaft zu noch mehr Druck und Stress.

Anscheinend soll sich das Verliebt sein für uns Hochsensiblen viel tiefer anfühlen. Allerdings müssen wir aufpassen, dass wir erkennen wann wir wirklich verliebt sind. Es wurde nämlich festgestellt, dass die Erregung durch die Überstimulation von unserem Körper als Verliebtheit fehlinterpretiert werden kann.

So schwärmen wir schneller mal für eine bestimmte Person. Haben wir aber eine gute Verbindung zu unser Innerem, verlieben wir uns in der Regel langsamer, dafür aber viel tiefer.

Fazit

Was ich mal gehört habe und schön fand ist dieser Vergleich: Hochsensible sind wie eine Orchidee, die unter optimalen Bedingungen wunderschön blüht und unter schlechten eingeht.

Also versuche, dir deine Bedingungen optimal zu schaffen 🙂

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