Palmöl Produktion
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Ist Palmöl wirklich so umweltschädlich oder nicht?

Die Debatte ist heiß.

Ist der Griff zu palmölhaltigen Produkten umweltschädlich oder nicht? Ist es verantwortungslos nicht auf Erzeugnisse mit diesem Inhaltsstoff zu verzichten? Oder ist Palmöl sogar weitaus nachhaltiger als wir es glauben?

Die Fragen sind berechtigt; schließlich steckt das Pflanzenöl so etwa in jedem zweiten Supermarktprodukt. Dabei spreche ich nicht nur von Schokoaufstrichen, Knabberartikeln und Fertiggerichten, sondern meine auch Kosmetika, Hygieneprodukte, Waschmittel und unzählige weitere Produkte.

Ist es nicht darin enthalten, so wird dies für gewöhnlich auf der Verpackung groß angepriesen. Denn wie jeder weiß ist Palmöl ja ungesund, zerstört den Regenwald und beutet die bei der Produktion beteiligten Arbeiter aus. Ist das aber wirklich so?

Dieser Frage möchte ich heute nachgehen und auch, ob es sinnvoll ist auf Alternativen wie Kokosöl und anderen pflanzlichen Ölen zu setzen. Vielleicht ist Palmöl ja zu Unrecht in Verruf geraten?

Wie wird Palmöl hergestellt?

Palmöl wird aus den Palmfrüchten bzw. deren Fruchtfleisch hergestellt, Palmfett aus den Kernen. Die Ölpalmen wachsen bevorzugt in tropischen Gebieten, wie z.B. West- und Zentralafrika. Von dort sind sie vor ein paar Jahrtausenden schließlich nach Südostasien gekommen; Indonesien und Malaysia gelten mittlerweile als die größten Produzenten von Palmöl.

Doch hier fängt auch schon das Problem an: Im Gegensatz zu unseren westlichen Ländern existieren dort keine gesetzlich vorgeschriebenen Produktionsstandards. D.h. es ist normal die Arbeiter auf den Plantagen bis zu 1.500kg der Früchte täglich herumschleppen zu lassen und ihnen dabei nicht mal genug für den Lebensunterhalt zu bezahlen. Außerdem erleiden sie durch den Einsatz von Pestiziden häufig schwere Vergiftungen, die zu einem frühzeitigen Tod führen können.

Mit anderen Worten: Zuerst wird den Bewohnern das Land weggenommen, dann zerstört, sodass sie dort nicht mehr leben können und zu guter Letzt bietet man ihnen einen Knochenjob an, nach dem Motto: „Sei doch froh, wenn wir dir eine Möglichkeit bieten ein wenig Geld zu verdienen.“

Wenn sie überhaupt auf ehrlicher Weise gefragt und nicht mit falschen Versprechungen angelockt werden und so leider auch mannigfach Kinder auf den Plantagen landen und dort die Zwangsarbeit vollrichten müssen…

So schrecklich diese Vorgehensweise klingen mag, so üblich ist sie.

Gleich wert- und respektlos wird aber auch mit der Natur umgegangen. Um neue Gebiete für den Anbau von Ölpalmen zu gewinnen, werden beispielsweise riesige Flächen Regenwald abgebrannt. Einfach mal so.

Dass dabei riesige Mengen CO2 frei werden und der Lebensraum von unzähligen Tieren (#Biodiversität) zerstört wird, scheint den betreffenden einflussreichend Unternehmen egal zu sein. Durch ihre Machtposition und den strittigen Landnutzungsrechten reißen sie große Gebiete an sich, beuten diese aus und kümmern sich nicht um eine nachhaltige Nutzung.

So landen meist auch Abwässer und Abfälle ungefiltert in der Umwelt und sorgen für nicht rückgängig machbare Auswirkungen, die nicht nur die Anbaugebiete, sondern die gesamte Welt betreffen.

Aber Hauptsache die Kasse klingelt; Geld ist schließlich wichtiger, ne?

Wieso ist Palmöl überhaupt so beliebt?

Ganz einfach: Im Vergleich zu andern Ölen wie Soja-, Raps-, Kokos usw. ist Palmöl sehr günstig. Es ist perfekt geeignet für alle möglichen Produkte, weil es hitzestabil und geschmacksneutral ist und nicht so schnell oxidiert (andere Öle werden schon nach kurzer Zeit ranzig).

Außerdem bleibt es bei Zimmertemperatur fest; es schmilzt erst bei Körpertemperatur, was oft erwünscht ist (denke an mit zartschmelzender Schokolade umhüllte Riegel, die du nicht schon flüssig auspacken möchtest, stimmt’s?🙂). Eine chemische Härtung ist also nicht nötig, um diesen Effekt zu erreichen. Das bedeutet, die Herstellung ist weniger aufwendig.

Aber wie gesagt findet Palmöl nicht nur im Essen Verwendung. In Waschmitteln kommt es z.B. oft in Tenside vor. Das sind Stoffe, die für das Aufschäumen sorgen. Entweder werden diese aus Erdöl gewonnen oder eben aus Palmöl (bei ökologischen Produkten häufig der Fall).

Dabei ist wichtig zu wissen: Palmkernöl muss in Wasch- und Reinigungsmitteln nicht deklariert werden! Es scheint also nicht in der Inhaltsliste auf! Sind bei deinem pflanzlichen Reinigungsmittel jedoch Stoffe enthalten, die mit  Lauryl-, oder Coco- beginnen (z.B. Coco-Glucoside oder Natriumlaurylsulfat), kannst du davon ausgehen, dass Palmkernöl enthalten ist!

Was sind die Alternativen zu Palmöl und sind diese sinnvoll?

Möchtest du Palmöl vermeiden, wirst du ziemlich schnell merken: Das ist schwieriger als gedacht!

Andererseits werden Produkte ohne den Rohstoff normalerweise ziemlich beworben und erkenntlich gemacht durch Aufdrucke wie „Ohne Palmöl“ oder „Palmölfrei“. Werfen wir einen Blick auf die Zutatenliste wird schnell klar: Ein Mix aus alternativen Pflanzenölen soll das schädliche Palmöl ersetzen.

Zum Einsatz kommen dabei meist Sheabutter, Kokos-, Raps-, Soja- oder Sonnenblumenöl. Viele glauben diese Austauschstoffe seien die Lösung; das stimmt so aber nicht.

Schauen wir uns nämlich die Zahlen an, bieten Ölpalmen den meisten Ertrag pro Fläche. Genauer gesagt ist er 3-6x höher im Vergleich zu anderen Pflanzenölen (z.B. Raps: 800-1500 kg Öl/ha, Sonnenblumen: 800 kg Öl/ha).

D.h. für die Produktion von Palmöl braucht es weitaus weniger Platz als für die erwähnten Alternativen. Würden wir also Palmöl einfach mit anderen Pflanzenölen austauschen, dann könnte das durch den erhöhen Platzbedarf sogar die ganze Situation verschlimmern.

Außerdem werden für den Anbau von Kokospalmen und Sojapflanzen auch dieselben sensiblen Gebiete genutzt, Regenwald abgeholzt und Arbeiter ausgebeutet.
Der Schlüssel ist deshalb nicht der Verzicht auf Palmöl, sondern

  • auf einen fairen Anbau mit ebensolcher Produktion zu achten (es gibt Siegel und Zertifizierungen, die das garantieren. Wie die jeweilige Überprüfung und Transparenz aussieht, ist allerdings immer unterschiedlich)
  • der bewusste Konsum von Knabberartikeln, Fertiggerichten und den ganzen anderen Produkten, wo Palmöl enthalten ist (sie sollten als Genussmittel gesehen werden und NICHT als Selbstverständlichkeit)
  • durch vorherigen Punkt wäre auch eine Verwendung von regionaleren Alternativen möglich (Raps oder Sojapflanzen brauchen beispielsweise kein tropisches Klima und wachsen auch in Europa. Bei einem maßvollen Konsum von eben genannten Erzeugnissen könnten die regionalen Anbauflächen reichen.)

Fazit

Um die Frage im Titel nochmals zu beantworten: Ja, Palmöl ist umweltschädlich.
Aber wie du gesehen hast ist nicht dessen Verwendung das Problem, sondern viel mehr der maßlose Konsum, fehlendes Bewusstsein und die Profitgier zahlreicher Unternehmen.

Es sind die Aspekte, die sich eben nicht nur in diesem Bereich unseres Lebens zeigen, sondern auch der Grund für Fast Fashion, Greenwashing, die zerstörerische konventionelle Landwirtschaft, moderne Sklaverei usw. sind.

Wollen wir also generell weg von den umwelt- und sozialschädigenden Produktionsweisen, muss JEDES EINZELNE GLIED der Wertschöpfungskette seinen Beitrag leisten. Schließlich trifft jeder von uns täglich Entscheidungen-bewusst und unterbewusst.

QUELLENANGABEN (19.-21.07.2021)

https://www1.wdr.de/mediathek/av/video-palmoel-produktion–ausbeutung-und-umweltzerstoerung-100.html

https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/produkte-aus-der-landwirtschaft/palmoel/

https://www.bzfe.de/nachhaltiger-konsum/grundlagen/palmoel/

https://de.wikipedia.org/wiki/Palm%C3%B6l

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