weihnachtszeit
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Keihnachten? Mein Problem mit der Weihnachtszeit

Ich liebe die Weihnachtszeit. Ehrlich.
Ich liebe die Ruhe, die sich ausbreitet, sobald die Schneeflocken die gesamte Landschaft in weiß tauchen.
Ich liebe den Duft von Zimt, Glühwein und Tannennadeln.
Ich liebe das warme Kerzenlicht, das so typisch für die Adventszeit ist.
Und ich würde auch das sanfte Flackern des Feuers im Kamin lieben, hätte ich einen.

Diese ganzen Dinge lassen mich mit einer gewissen Vorfreude auf die kalte Jahreszeit blicken, auch wenn ich eine absolute Frostbeule bin und deshalb den Sommer liebe.

Gleichzeitig sorgt Weihnachten bei mir aber für Unverständnis: Warum führt dieser Anlass dazu, dass die meisten Menschen jedes Jahr von einem Geschäft zum nächsten hasten, um dort Zeug für ihre Liebsten zu kaufen?

Sind wir mittlerweile wirklich so von unserem Konsumverhalten geprägt, dass wir glauben nur mithilfe von materiellen Geschenken unsere Liebe ausdrücken zu können? Das wäre nicht nur traurig, sondern würde der Zeit der Besinnung doch in keinem Fall gerecht werden.

Die Geschichte des Christkinds

Hätte man mich als Kind gefragt, was ich an Weihnachten so klasse finde, hätte ich bestimmt von den ganzen tollen Geschenke und dem leckeren Essen erzählt. Wohl kaum hätte ich die Geburt Jesu erwähnt. Das, obwohl im Religionsunterricht in meiner Grundschule jedes Jahr aufs Neue die beschwerliche Reise der schwangeren Maria und ihrem Josef Thema war.

Sogar in Form eines Theaterstückes wurde uns jährlich gezeigt, wie die beiden nach Betlehem gepilgert sind und Maria dort in einem Stall ihren Sohn Jesus zur Welt gebracht hat, wie den Hirten in der Nähe ein Engel erschienen ist, der ihnen die frohe Botschaft verkündet hat und sie so zusammen mit Maria und Josef die Geburt gefeiert haben.

An welchem Tag sich das genau ereignet hat, weiß man allerdings nicht. Zu jener Zeit war das Todesdatum nämlich viel wichtiger und so gibt es keine schriftliche Angabe wann genau Jesus das Licht der Welt erblickt hat. Erst Papst Julius I. hat im 4. Jahrhundert den 25. Dezember als Geburtstag von Jesus festgelegt.

Zu diesem Zeitpunkt war jedoch immer noch keine Rede von einem Christkind. Martin Luther war es, der diese Gestalt erfand, weil er der Verehrung von Heiligen ein Ende setzen wollte. Geschenke sollten also nicht mehr vom heiligen Nikolaus (wie damals üblich), sondern vom Heiligen Geist kommen.

Der Tag der Bescherung wurde so auf Weihnachten verlegt-am Beginn galt das nur für evangelische dann aber auch für katholische Christen. Bis heute hat sich das im gesamten Christentum gehalten, wobei der hl. Nikolaus wieder kleine Gaben bringen darf und das Christkind vielerorts auch als Weihnachtsmann bekannt ist.

So viel also zur Geschichte.

Interessanterweise hat das christliche Fest auch für andere Religionen, die Jesus nicht als Sohn Gottes anerkennen, eine Bedeutung. So stellen z.B. manche Muslime zur Weihnachtszeit ebenso einen Tannenbaum auf oder statten dem Weihnachtsmarkt einen Besuch ab.

Die religiöse Bedeutung von Weihnachten ist also in den Hintergrund gerückt; es ist schon fast ein kulturelles Ereignis geworden. Das gilt wohl auch für die Religion, die das Fest ins Leben gerufen hat: Viele Menschen sind zwar offiziell (immer noch) Anhänger des Christentums, glauben aber nicht an einen Gott. So habe ich es jedenfalls schon oft erlebt.

Versteht mich nicht falsch: Solange niemand jemanden schadet, finde ich, kann er machen und glauben, was er möchte. Es ist nur so, dass wir dann den Tatsachen ins Auge blicken sollten und nicht die Religion als Grund nennen, warum wir Weihnachten feiern.

Warum wir tatsächlich Weihnachten feiern

Die Bezeichnung das Fest der Liebe lässt es schon vermuten: Es geht darum mit seinen Liebsten Zeit zu verbringen, ihnen zu zeigen wie wichtig sie für uns sind, schöne gemeinsame Augenblicke zu sammeln.

So werden normalerweise Jahr für Jahr Familienmitglieder oder auch enge Freunde zusammengetrommelt, am 24. trudeln dann gewöhnlich alle zum Festmahl ein. Am Beginn noch recht harmonisch, merkt der ein oder andere aber dann oft doch wie es unter der Oberfläche brodelt.

Fließt nicht genug Alkohol, kann das Ganze schnell zum Familienstreit ausarten. Gehen wir jedoch vom Besten aus und glauben mal, dass noch alle Gäste die Bescherung miterleben und nicht jemand bereits vorher wutentbrannt abgehauen ist.

weihnachtszeit ohne tannenbaum

Es ist der Moment, auf den die Kinder so sehnlich gewartet haben-nun bekommen sie das „Go“ die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum hervorzuholen und zu öffnen. Dabei wird fleißig gewetteifert; allerdings ist die Größe meist viel ausschlaggebender als der Inhalt.

Natürlich freuen sich die Eltern beim Anblick der glitzernden Augen des Kindes. Doch genauso untereinander ist ein Mitbringsel selbstverständlich. Auch wenn jemand gar nicht weiß, was schenken oder einfach nichts Passendes gefunden hat-Hauptsache man hat ein Präsent.

Es scheint so, dass Weihnachten ohne Geschenke für die allermeisten kaum vorstellbar sei. Doch genau das finde ich so verkehrt: Müssen wir beim Fest der Liebe diese in Form von etwas Materiellen ausdrücken? Reicht es denn nicht wenn wir allesamt eine schöne Zeit miteinander haben?

Wäre es nicht schöner den Druck rauszunehmen und die Weihnachtszeit zu genießen, anstatt einen jährlich wiederkehrenden Wettlauf zu starten, um ja pünktlich zur Bescherung ein Geschenk zu haben?

Adieu Weihnachtsbaum!

Jaja, was wäre Weihnachten ohne Baum…
Das Wohnzimmer würde nicht duften, die Christbaumkugeln im Karton bleiben, die Geschenke an Heilig Abend bloß auf dem Boden herumliegen.

Andererseits: Wäre das tatsächlich so schlimm?

Müssen wirklich jedes Jahr unzählige durchschnittlich 8-12 Jahre alte Nadelbäume sterben, nur um nach gerade mal 3 Wochen auf dem Kompost zu landen?
Ich glaube nicht. Vor allem, weil es mittlerweile doch schon genug Alternativen gibt.

PS.: Auch beim Geschenkpapier (für das im Grunde genommen ja genauso Bäume abgeholzt werden), kann man kreativ werden (siehe hier): Es muss nicht immer das klassische bedruckte Papier sein!

Fazit

Es ist nicht die Weihnachtszeit, die nicht schön ist. Sie kann gar nichts dafür, dass wir aus ihr eine Zeit des völlig übertriebenen Konsums gemacht haben.

Umso notwendiger finde ich es, unsere Einstellung zu überdenken und sich zu fragen: Was ist mir wirklich wichtig? Was bringe ich mit der Weihnachtszeit in Verbindung? Ist sie eine Zeit des Drucks oder der Ruhe, der Entspannung?

Ich glaube wenn wir diese Fragen ehrlich beantworten, würde das bei den meisten wesentlich weniger Stress bedeuten; ja vielleicht hieße es dieses Jahr sogar: „Tadaaa, das Christkind ist heuer nicht da!“

Denn Weihnachten ist weit mehr als ein christliches Fest. Es ist zu etwas Verbindendem geworden. Es fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

In diesem Sinne: Eine frohe und beSINNliche Weihnachtszeit!

QUELLENANGABEN (abgerufen am 12.-14.12.2021)

https://www.warum-wieso.de/feiertage/warum-feiern-wir-weihnachten/

https://www.ndr.de/kultur/sendungen/freitagsforum/Auch-Muslime-feiern-Weihnachten,kaddorauchmuslimefeiernweihnachten100.html

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