Unser Abfall verursacht einen großen Teil der Umweltverschmutzung
Kommentare 0

Warum du mit Mülltrennung die Welt verbessern kannst

Grün, rot, blau; in allen erdenklichen Farben leuchten die durch uns erzeugten Müllberge. Sie sind von gigantischem Ausmaß, doch zu sehen bekommen wir sie selten. Meistens ist es ein Deckel auf, Sack rein, Deckel zuwird schon irgendwer irgendwohin bringen.

Dass wir beim Thema Müll genauer hinschauen müssen, machen uns auch die Zahlen klar: 88,5 Millionen TONNEN (!!!) Verpackungsmüll wurde 2017 in der EU erzeugt. Und da sprechen wir nur vom Verpackungsmüll. Bauabfall, Haushaltsabfall, Sonderabfall, Bioabfall gibt es auch noch. Die Liste ließe sich noch lange fortführen.

Warum ist Mülltrennung so wichtig und wie wird der Müll überhaupt getrennt?

Die Menge des Mülls an sich ist schon schlimm, doch noch schlimmer ist es, dass verschiedene Müllarten oft untereinander vermischt werden. Dadurch wird der Recyclingprozess erschwert oder ist gar nicht mehr möglich. Um das zu verstehen, musst du dir zuerst anschauen, wie die verschiedenen Abfälle entsorgt bzw. recycelt werden.

Biomüll

Er wird einfach auf den Komposthaufen im Garten gegeben. Doch was ist wenn jemand keinen eigenen Garten hat? Dafür gibt’s die Biotonne, denn das wertvolle Grundmaterial darf keinesfalls in den Restmüll.

Das wäre eine reine Ressourcenverschwendung, weil aus dem Biomüll noch viel erzeugt werden kann. In der Kompostierungsanlage wird das alte Grüngut beispielsweise zu Kompost verarbeitet. Andernfalls kommt der Biomüll zu sogenannten Biogasanlagen, wo er vergoren wird. Das dabei entstehende Biogas wird dann dem Erdgasnetz zugeführt.

Die beim Prozess übrig geblieben Masse wird als Dünger verwendet. Hier erklärt sich, warum es so problematisch ist, wenn beispielsweise eine Plastiktüte mit in der Biotonne gewesen ist. Wird diese nicht händisch aussortiert (sehr mühsam), so landet der Fremdkörper mit dem Dünger auf dem Feld! Weil Plastik (und viele andere Materialien) ewig zum Abbauen brauchen, sind sie dann ein großer Störfaktor für den natürlichen Zyklus.

Auch biologisch abbaubare Plastiktüten/Tüten dürfen nicht in den Biomüll! Sie bauen sich nämlich viel zu langsam ab und zwar erst in 1-2 Jahren!

Sondermüll

Dazu gehören leicht entflammbare und giftige Abfälle, wie z.B. Insektensprays, Pestizide, Altöl aber auch Elektromüll, Medizin und andere Chemikalien. Auch hier ist es wichtig die Mülltrennung zu beachten und nicht einfach alles wahllos zum Restmüll zu geben.

Denn das kann ernsthafte Folgen haben: In den Akkus von Handys steckt beispielsweise Lithium. Wenn dieses austritt und mit Wasser (z.B. von der Umgebungsluft) reagiert, dann kann die Reaktion nicht mehr gestoppt werden. D.h. man muss warten bis es abgebrannt ist! Du kannst dir wahrscheinlich vorstellen, was das auf einer riesigen Mülldeponie heißt!

Sondermüll wird deshalb getrennt gelagert und recycelt. Er wird in Sondermüllverbrennungsanlagen (was für ein Wort!) verbrannt. Dass die dabei entstehenden Dämpfe und Überbleibsel (es kann sich ja schließlich nicht alles in Luft auflösen), in den Anlagen bleiben, kann ich mir kaum vorstellen. Ganz logisch gesehen, können ja giftige Stoffe mit dem Brennvorgang nicht einfach verschwinden…

Gerade deshalb ist es so wichtig, so wenig wie möglich von diesem Sondermüll zu erzeugen. Auch wenn viel davon von großen Industrien und Einrichtungen wie Krankenhäusern kommt, haben auch wir einen Einfluss: Sind Pestizide/Insektizide für meinen Garten wirklich notwendig? Von welchen Industrien beziehe ich meine Produkte? Wie lange und welches Handy benutze ich?

Sperrmüll

Im Recyclinghof wird der Sperrmüll in einzelne Kategorien sortiert: Holz, Papier und Metall werden, wenn möglich, recycelt. Alles andere wird dann in der Müllverbrennungsanlage verbrannt.

Bauabfälle

In der Schweiz sind 65% des gesamten Mülls Bauabfälle. In Deutschland kommt man zu ähnlich hohen Zahlen. Gerade hier ist Recycling mega wichtig. Ein Teil von den Bauabfällen wird auch schon wieder verwendet als Ersatzbaustoff.

Doch längst nicht jedes Material ist stabil genug, um als Baumaterial verwendet zu werden. Fliesen sind beispielsweise zu brüchig. Ebenso wird Gips (zur Hälfte) entsorgt und Mineralwolle gilt oft sogar als Sondermüll.

Es gibt bereits ein paar wenige Projekte in Richtung Upcycling/ Secondhand beim Bauen, doch dazu später mehr.

Altglas, Altpapier, Alubüchsen

Idealerweise werden Glasbehälter direkt von den Firmen zurückgenommen und wieder befüllt. Meistens kommt das Glas aber in die dafür vorgesehenen Container. Wichtig ist die strikte Trennung von weißem (transparenten), braunem und grünem Glas (buntes Glas).

Bevor das Glas geschmolzen wird, werden Deckel oder sonstige Fremdkörper aussortiert. Glas kann komplett recycelt werden, das heißt aber auch, dass wieder sehr viel Energie dafür verbraucht wird.

Mülltrennung ist unerlässlich für einen funktionierenden Recyclingzyklus
Bei Plastik gibt es zig verschiedene Sorten, was eine Sortierung schwierig macht

Altpapier kann sehr gut recycelt werden, wenn es nicht verschmutzt ist. Du solltest also niemals benutzte Servietten, ölige Pizzakartons und auch keine Kassabons (andere Papierart) in den Altpapier-Container geben.

Aludosen werden zuerst entzinnt, dann von Lacken und Rückständen gereinigt und schließlich zu Rohstahl bzw. Aluschrott eingeschmolzen. Auch hier ist der Aufwand sehr groß, u.a. weil die Entzinnung oft im Ausland stattfindet.

Restmüll

Entweder werden heizwertbare Abfälle aussortiert für die thermische Verwertung oder es wird direkt alles zur Müllverbrennungsanlage gebracht. Wahrscheinlich zerstöre ich bei vielen damit Bild von “das wird doch eh recycelt“. Denn tatsächlich wird auch bei anderen Abfallarten das, was eben nicht anders aufbereitet werden kann, verbrannt.

Generell würde ich vorsichtig bei den Zahlen bezüglich Recycling sein, ob sie nicht beschönigt wurden…

Wenn Mülldeponien die Alternative sind…

Die Schweiz gilt als Paradebeispiel im Bezug auf funktionierendes Recycling. 2016 hat sie eine Recyclingquote von 52 % erreicht. Das Problem bei Recycling ist aber: Der Prozess ist sehr aufwendig und braucht viel Energie.

Verbrennungs- und Recyclinganlagen sind auch extrem teuer. Die Schweiz, Deutschland, Holland, Dänemark und Schweden haben solche Verbrennungsanlagen. In anderen Ländern, wie Italien Finnland und Großbritannien werden aber immer noch Mülldeponien benützt!

Dort wird der Abfall zu riesigen Klötzen zusammengepresst. Diese werden dann aufeinandergestapelt und so gelagert. In Edinburgh ist diese Schicht bereits 40m hoch! Bei schlechter Mülltrennung können Chemikalien miteinander reagieren, was natürlich sehr problematisch ist.

In Kanada, den USA und Australien wird die Hälfte des Abfalls in solchen Anlagen deponiert. Noch schlimmer ist es in Ländern wie Indonesien. Dort kommt der Abfall nämlich fast nur auf Mülldeponien und das sehr schlecht sortiert. Die Begründung: Verbrennungsanlagen kosten zu viel.

Die neue Lösung: Schieben wir den Müll doch ab!

Was bei uns nicht recycelt werden kann und nach dem Verbrennen keinen Gebrauch findet, kommt nach Asien. Unser Müll wird also exportiert; ganz nach dem Motto: “Aus den Augen, aus dem Sinn.“

Was dann in der Ferne passiert, ist haarsträubend: Sogenannte Müllsammler setzen sich den giftigen Chemikalien und Dämpfen aus, um mit dem Müll Geld zu verdienen. Sie sortieren wiederverwertbare Teile aus und verkaufen diese; auch an Recyclingunternehmen.

Den Menschen dort ist nicht bewusst, dass sie dieser “Job“ auf lange Sicht krank macht. Welche bessere Alternative haben sie auch, um zu versuchen aus der Armut herauszukommen?

Mülltrennung ist auf so einer Müllhalde ein Fremdwort
Die Müllsammler leben direkt auf solchen Müllhalden…

Das einzige was wirklich hilft

Dass es so nicht weiterlaufen kann, weiß (unterbewusst) jeder von uns. Müllreduzierung ist deshalb das Stichwort um die riesigen Müllberge weniger werden zu lassen. Vor allem bei der jüngeren Generation kommt langsam das Modell “plastikfrei(er)“ zum Greifen.

Jeder von uns hat nämlich ein Stück weit Verantwortung zu tragen, was er konsumiert, wie lange er die Sachen besitzt, wie er damit umgeht, wie er sie entsorgt,… Kurz gesagt: Ein bewusster Umgang ist auch hier wichtig.

Dir sollte auch bewusst sein, dass es ein funktionierendes Recyclingsystem zwar schön und gut ist, aber es muss auch an die Auswirkung in den Ländern gedacht werden, in denen unser billiges Zeug produziert wird. Was wird dort -wegen uns!- an Energie verbraucht und Müll erzeugt?

Forschung

Das Müllproblem besteht nicht erst seit heute. Folglich wurde schon länger an Lösungen gearbeitet und an neuen Entwicklungen geforscht. Künstliche Intelligenzen (KI) werden beispielsweise darauf vorbereitet Sortierungsprozesse zu erleichtern, die momentan von Hand geschehen.

Es wird auch daran getüftelt, wie minderwertiges Plastik zu einem Stoff upgecycelt werden kann, der dieselbe Stabilität aufweist wie einer aus “hochwertigem“ Plastik. Ziel ist es aus dem Stoff sogenannte Plastik-Bauklötze zu produzieren. Durch die spezielle Form und Struktur können daraus stabile, erdbebensichere Gebäude erbaut werden.

Ein weiter Methode der Wiederverwertung zeigt die Architektin Barbara Buser. Bei ihrem Pilotprojekt geht es darum, ein Gebäude fast nur mit Bauteilen von Abbruchhäusern zu erschaffen. Über eine etwaige Kurzlebigkeit dieser Bauteile brauche man sich keine Sorgen machen: „Meistens ist die Lebensdauer eines Bauteils durch die Kombination, dem ganzen Bau beschränkt und nicht durch das Teil an sich“, so Barbara Buser.

Fazit

Jeder sollte sich des Müllproblems bewusst sein und sich über die Abfallwirtschaft informieren. Denn nicht nur der Verzicht von Plastik beim Einkaufen, sondern auch Dinge wie die Mülltrennung sind wichtig für eine zukünftige Verbesserung.

Ein Umdenken muss stattfinden und auch Kinder müssen für das Thema sensibilisiert werden. Denn schlussendlich sind sie es, die später unsere gigantischen Müllberge anschauen werden. Und dabei werden sie sich kaum über die bunt leuchtenden Farben freuen…

QUELLENANGABE (21. und 22.01.2021)

TOP FOKUS: Der Weg des Abfalls – TELE TOP (toponline.ch)

Unsere Erde: Was passiert eigentlich mit unserem Biomüll? – Bruck an der Mur (meinbezirk.at)

Abfall: Biomüll richtig verwerten: Das passiert mit dem Abfall | Augsburger Allgemeine (augsburger-allgemeine.de)

Sperrmüll – Wikipedia

Glas: Swiss Recycling

Kennzahlen und Quoten: Swiss Recycling

Wie Müllsammler von dem leben, was andere wegwerfen (goettinger-tageblatt.de)

Altpapier: Dürfen Pizzakartons in die Papiertonne? | Umweltkommissar | Experten-Tipps | Bayern 1 | Radio | BR.de

Immer mehr Bauabfälle: Deponien am Limit – dhz.net (deutsche-handwerks-zeitung.de)

Recycling von mineralischen Abfällen und Dämmstoffen (ecoservice24.com)

Dosen-Recycling: Wie nachhaltig ist das? – Utopia.de

Video: https://www.youtube.com/watch?v=DO9W6hF9V_I

Werbung, unbezahlt

WIE HAT DIR DER BEITRAG GEFALLEN?
[Abstimmungen: 1 Durchschnitt: 5]

Schreibe eine Antwort