fairphone und shiftphone sind nachhaltige handys
Kommentare 0

Nachhaltige Handys: Fairphone und Shiftphone machen es vor!

Nachdem mein Smartphone vor ein paar Tagen endgültig das Zeitliche gesegnet hat, musste ich wieder mal feststellen, wie abhängig ich (bzw. wohl die meisten…) von dem kleinen rechteckigen Gerät bin: Meine Termine stehen im digitalen Kalender, die Einkaufsliste in den Memos und Treffen werden sowieso nur mehr via WhatsApp ausgemacht.

Wäre es also nicht besser sich komplett von den kleinen mobilen Computern loszulösen?
Ein Gedanke, der mir durch den Kopf geschossen ist, doch so schnell er gekommen ist, so schnell habe ich ihn wieder verworfen: Wie soll ich orientierungsloser Tollpatsch mich jemals in einer Stadt ohne Google Maps zurechtfinden? Und Freunde schnell mal für eine Verabredung anschreiben, wäre dann auch vorbei.

Es musste also eine andere Lösung her.
Weil diese möglichst nachhaltig sein sollte, habe ich mich auf die Suche gemacht. Und bin fündig geworden: Fairphone und Shiftphone heißen die beiden Unternehmen, die faire und nachhaltige Smartphones produzieren!

Bevor ich dir aber mehr dazu verraten, möchte ich zuerst die Frage klären, warum es überhaupt so wichtig ist auch bei Handys auf Nachhaltigkeit zu achten und warum die Smartphone-Industrie zu den schmutzigsten Geschäften gehört.

Warum du zu einem nachhaltigen Handy greifen solltest

Wir haben es ständig in Benützung und doch ist den meisten unbekannt wie und aus was ein Smartphone hergestellt wird. Erst beim Blick ins Innere kann man die ganzen winzig kleinen Bestandteile sehen, die sich dicht aneinander reihen.

Gerade weil es so viele verschiedene Teile braucht, sind eine Menge wertvoller Rohstoffe in einem Handy verbaut. Insgesamt handelt es sich dabei um ca. 60 verschiedene Materialien, wobei Kupfer, Eisen, Aluminium, Silber und Gold nur einige davon darstellen.

Fairphone und Shiftphone produzieren nachhaltige Handys
Ca. 60 verschiedene Materialien stecken in einem Handy

Das Erschreckende ist, dass auch Materialien enthalten sind (z.B. Kobalt, Gallium, Indium, Niob, Wolfram,…), die von der EU-Kommission schon längst als „selten“ bzw. „kritisch“ eigestuft worden sind. Wenn man sich jetzt ins Gedächtnis ruft, dass 2020 etwa 3,6 Milliarden Menschen Smartphones genutzt haben (mit steigender Tendenz!), kann man sich ausmalen wie groß das Problem ist.

Doch nicht nur die immer knapper werdenden Rohstoffe sind Grund zur Sorge. Auch deren Abbau ist bekannt für die unmenschlichen und gefährlichen Bedingungen. So graben die Arbeiter oft 12 Stunden lang in selbst geschaufelten Minen nach Kobalt oder anderen Metallen. Ausgesetz unter ständiger Einsturzgefahr erhalten sie nicht mal genug Geld, um ihre Kinder zu ernähren. Deshalb müssen leider oft auch diese mithelfen. Das bedeutet statt Schule Knochenjob mit Aussicht auf Nichts…

Unerfreulicherweise herrschen auch in vielen chinesischen Fabriken, wo die Smartphones zusammengesetzt werden, krasse Bedingungen. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Arbeiter dort so wenig bezahlt bekommen, dass sie bloß durch die Überstunden überleben können. Zudem haben sie häufig nicht mal einen Arbeitsvertrag!

Vor jedem Neukauf eines Mobiltelefons sollten wir uns also gut überlegen, ob es wirklich die bekannte Marke mit dem ausbeuterischen System dahinter sein muss oder ob wir vielleicht lieber auf ein bisschen Speicherplatz und dem ein oder anderen Feature verzichten und auf fairere Alternativen wie Folgende zurückgreifen.

Fairphone-Weil Fairness wichtig ist

Fairphone ist eine niederländische Firma, die es sich zum Ziel gemacht hat nachhaltige Smartphones auf den Markt zu bringen. Damit sind nicht nur faire Arbeitsbedingungen bei der Produktion gemeint, sondern auch, dass die Rohstoffe aus geprüften Minen bezogen werden und die Herstellung möglichst umweltschonend verläuft.

Die Geräte sind modular aufgebaut. Das aus dem Grund, weil Handys durchschnittlich alle 2-3 Jahre ersetzt werden, obwohl sie meistens nicht komplett kaputt sind. Oft ist nur eine bestimmte Funktion defekt wie z.B. das Display oder die Ladebuchse. In so einem Fall müssen Fairphones nicht entsorgt werden. Alle Bestandteile können selbst ausgetauscht werden-das soll so einfach gehen, dass es auch ein Laie schafft.

Dieses Konzept erhöht nicht nur die Nutzungsdauer der Smartphones (extrem wichtig!) und vermeidet somit unnötigen Sondermüll, sondern es sorgt auch für einen wesentlich geringeren CO2-Verbrauch. Zusätzlich nimmt das niederländische Unternehmen alte Handys an und repariert oder recycelt sie fachgerecht.

Bezüglich nachhaltige Produktion versucht die Firma zu zeigen, dass es auch anders geht. Die Materialien werden möglichst fair bezogen; das Gold entspricht z.B. dem Fairtrade-Niveau und Metalle wie Tantal, Zinn und Wolfram stammen aus konfliktfreien Minen (mehr dazu hier).

Dass aber noch Luft nach oben ist, zeigt die Aussage von Eva Gouwens (Chefin von Fairphone): „Das Fairphone ist nicht zu 100% fair, aber definitiv fairer.“

Wer hier also Kritikpunkte bezüglich Nachhaltigkeit sucht, wird sie sicher finden. Ich bin allerdings überzeugt, dass das Unternehmen den richtigen Weg eingeschlagen hat und hoffe, dass es weiterhin daran arbeitet die Smartphone-Branche fairer zu gestalten.

Shiftphone-Schon im Name steckt die Veränderung

Shiftphone hat das erste faire Smartphone Deutschlands produziert. Bisher wurde die Realisierung nicht durch Investoren, sondern über Crowdfunding bzw. Eigenkapital finanziert, was eine freie Entscheidungsmöglichkeit bezüglich Produktionsverfahren und Lieferanten ermöglichte.

Auf der Website selbst schreibt das Unternehmen, dass von dem Geld keine persönlichen Gewinne abgezogen werden. Um zu zeigen wohin es stattdessen fließt, gibt es eine entsprechende Darstellung (48% nehmen beispielweise die Produktionskosten, der Transport und die Zölle ein).

Ein Teil wird auch in nachhaltige und soziale Projekte investiert; welche das sind erfährt man im Wirkungsbericht (Seite 39). Dort gibt es auch nähere Informationen bezüglich fairer Entlohnung (in der Fabrik in China ist der Lohn z.B. 3x so hoch wie der dort übliche Mindestlohn) und den fairen Rohstoffen (u.a. wird vom Besuch von Minen in Kongo berichtet).

Genauso transparent möchte Shiftphone mit der Lieferkette umgehen: Wenn möglich, wird aufgelistet woher die Materialien bezogen werden. Doch trotz aller Bemühungen kann genauso wie bei Fairphone noch nicht von einem ausschließlich fairen Smartphone gesprochen werden.

Das Unternehmen schreibt dazu: „Um wirklich etwas am bestehenden Gesamtsystem bewegen zu können, benötigt man Marktmacht oder politische Einflussnahme. Möglichkeiten, die wir als kleines Startup […] nur in sehr begrenztem Maße haben. Tatsächlich sehen wir […] deutlich mehr Potential zur Verbesserung der Nachhaltigkeit in intelligentem und modularem Design.“ (Quelle)

Trotzdem gibt es einige interessante Konzepte, um die Nachhaltigkeit voranzutreiben. So hat Shiftphone z.B. den Gerätepfand eingeführt, der bei jedem Kauf entrichtet werden muss. Sobald das Gerät dann kaputt ist (egal in welchem Maße), schickt man es im Originalkarton zurück und erhält den Betrag in Form eines Einkaufgutscheines zurück.

Damit sollen Kunden motiviert werden ausgediente Geräte zurückzuschicken. Diese erhalten nämlich entweder ein zweites Leben oder werden in ihre Einzelteile zerlegt. Bei Letzterem kommen alle noch funktionstüchtigen Teile für die Reparatur anderer Geräte zum Einsatz, während die defekten Elemente recycelt werden.

Shiftphone versucht also ganz seinem Namen (to shift=verändern) gerecht zu werden und einen Wandel hin zu nachhaltigen Smartphones zu bewirken.

Fazit

Damit die angestrebten Veränderungen der Unternehmen Wirkung zeigen, braucht es natürlich auch ein Umdenken vonseiten der Kunden. Falls also auch du zu den Menschen gehörst, die sich ein Leben ohne Smartphone gar nicht mehr vorstellen können, möchte ich dich dazu einladen beim nächsten Neukauf eines Smartphones auf ein nachhaltiges zurückzugreifen.

Vielleicht schaffen wir es ja so, die durchschnittliche 2-3jährige Lebensdauer von den Geräten zu erhöhen und damit zukünftig weniger Elektroschrott zu erzeugen. Ich glaube auch, dass in diesem Zuge die Wertschätzung steigen würde, denn der Fokus würde dann ja darauf liegen das Handy möglichst lange zu behalten und zu reparieren, anstatt es ständig auszutauschen.

QUELLENNACHWEIS (abgerufen am 20.10-01.11)

https://www.informationszentrum-mobilfunk.de/umwelt/mobilfunkendgeraete/herstellung

https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/2016/01/unsere-billigen-smartphones-beruhen-auf-kinderarbeit/

file:///C:/Users/Betti/Downloads/Handyproduktion.pdf

https://www.fairphone.com/de/impact/?ref=header

https://de.wikipedia.org/wiki/Fairphone#cite_note-enorm-49

https://www.shiftphones.com/

https://www.shiftphones.com/downloads/SHIFT-wirkungsbericht-2019-05-10.pdf

Werbung, unbezahlt

WIE HAT DIR DER BEITRAG GEFALLEN?
[Abstimmungen: 0 Durchschnitt: 0]

Schreibe eine Antwort