No Poo-Methode: Ohne Shampoo Haare waschen
Kommentare 0

No Poo: 4 natürliche Mittel für eine Haarwäsche ohne Shampoo

Täglich benutzen wir verschiedenste Produkte, die eine Menge Verpackungsmüll erzeugen. Und das, obwohl es tolle Alternativen gibt. Besonders in den letzten Jahren hat das Angebot an nachhaltigen, plastikfreien Varianten zugenommen.

Doch nicht nur das Interesse an Unternehmen mit entsprechenden Produkten und Philosophie ist gestiegen. Auch die Frage: „Welche natürlichen Hausmittel kann ich statt den herkömmlichen Chemiekeulen verwenden?“ wurde wichtiger.

Besonders bei Hygieneartikel ist ein Umdenken dringend nötig: ⅓ des Einwegplastik in Mülldeponien stammt von Körperpflegeprodukten! In Deutschland werden durchschnittlich 830 Millionen Plastikflaschen pro Jahr verbraucht. Und da meine ich nur die von Shampoo. Zahnpastatuben, Cremeflaschen, Peelingdosen und zig andere, kommen noch dazu.

Weil dieser Berg an Müll komplett vermeidbar wäre, möchte ich dir heute 4 verschiedene No Poo-Möglichkeiten vorstellen, also wie du deine Haare ohne Shampoo waschen kannst. Ich habe versucht auch Mittel miteinzubeziehen, die du schon zu Hause hast. So kannst du sofort mit dem Ausprobieren loslegen.

4 verschiedene Wege, Haare natürlich zu waschen

Wahrscheinlich wirst du ein Weilchen testen müssen, bis du die Variante gefunden hast, die für dich am besten funktioniert. So war es zumindest bei mir. Nicht jedes Haar ist gleich, deshalb dauert auch die Umstellung bei manchen länger, bei manchen weniger lang.

Erwarte also nicht bereits nach der ersten Haarwäsche, dass das natürliche Mittel das Nonplusultra ist. Durch das jahrelange Waschen mit herkömmlichem Shampoo bist du es wahrscheinlich gewohnt, dass die Haare danach glänzen, sich weich und geschmeidig anfühlen.

Doch das liegt v.a. an den giftigen Tensiden, Silikonen, Parabenen und all dem anderem Chemie-Gedöns in den konventionellen Produkten. Sie pflegen das Haar eigentlich gar nicht, sondern legen sich wie eine Folie ums Haar und ersticken es viel eher.

Aber keine Angst: Du musst nicht monatelang aussehen, als wärst du in ein Bottich Öl gefallen. Mit ein bisschen Geduld klappt die Umstellung und deine Haare werden sich viel gesünder anfühlen und die Kopfhaut juckt nicht mehr.

So genug gelabert; kommen wir zu den verschiedenen Möglichkeiten einer nachhaltigen Haarwäsche:

Die minimalistischste No poo-Version

No Poo: Nur mit Wasser die Haare waschen

Für diese Methode verwendest du gar kein Produkt, sondern nur Wasser. Du denkst dir wahrscheinlich: „Und das soll klappen?“ Zugegeben: Bei mir hat es bestimmt 2 Monate gedauert, bis die Haare einigermaßen sauber ausgesehen haben.

Deshalb würde ich dir raten, das Experiment entweder im Winter durchzuführen, wo du für die erste Zeit Mützen aufsetzten kannst oder im Sommer, wo du Bandana, Schirmkappen oder andere Tücher als Tarnung tragen kannst.

Wichtig ist, dass du die Haare nicht nur kurz mit Wasser spülst, sondern dir dafür schon einige Minuten Zeit nimmst. Auch das Bürsten sollte zu einem wichtigen Bestandteil deiner Tagesroutine werden.

Ich habe damals die Bürste mit Wildschweinborsten meiner Mutter genommen (ich würde aus ethischen Gründen nie eine mit Tierhaaren kaufen), weil so eine immer propagiert wurde. Ehrlich gesagt habe ich aber keinen Unterschied zu meiner Holzbürste gemerkt.

Aus diesem Grunde glaube ich, ist es bloß wichtig den Talg (das Fett) deiner Kopfhaut bis in die Spitzen zu bringen. Bürste deshalb auch kopfüber, von der einen Seite zur anderen und schließlich ganz gewöhnlich von der Stirn bis zu den Haarspitzen.

Es ist ganz normal, wenn deine Haare am Beginn süßlich riechen. Sprühe ätherische Öle mit Wasser gemischt in deine Haare, falls dich der Geruch stört.

Bei feinen, dünnen Haaren soll es wohl ziemlich lange dauern bis sich die Kopfhaut an das Nur-mit-Wasser-waschen gewöhnt hat. Bei Locken soll diese Methode besser funktionieren. Ich habe glatte, dünne Haare und muss gestehen, dass No Poo nichts für mich war.

Nach einem Jahre Probe haben sich meine Haare immer noch nicht gut angefühlt. Vielleicht hätte ich noch länger warten oder mehr bürsten müssen; ich weiß es nicht. Jedenfalls habe ich mich dann entschieden was anderes auszuprobieren:

Haare waschen mit Natron oder Backpulver

Nachdem also No Poo nichts für mich war, habe ich mich nach Hausmitteln für die Haarwäsche umgesehen. Das Waschen mit Backpulver bzw. Natron hat einen großen Vorteil: (Fast) jeder hat es zu Hause und die Anwendung ist relativ einfach.

Das Natron wird bloß mit ein bisschen lauwarmen Wasser zu einer Paste vermischt, in die nassen Haare verteilt und in die Kopfhaut einmassiert. Nach kurzer Einwirkzeit kannst du es dann ausspülen. Wenn du statt den neutralen Geruch einen Duftstoff bevorzugst, kannst du natürlich ein paar Tropfen ätherische Öle in die Paste geben.

Die saure Rinse ist anschließend auf alle Fälle zu empfehlen. Was das ist und die Wirkung davon erkläre ich dir später.

Natron enthält keine Tenside oder andere chemischen Mittel, sodass auch hier die Umgewöhnung ein bisschen dauern wird. Im Gegensatz zur No Poo Methode hatte ich aber keine Probleme mit klebrigen oder stumpfen Haaren.

Das einzige das mich gestört hat war, dass die Kopfhaut und Haare viel trockener geworden sind. Auch hier hängt das natürlich mit der Haarbeschaffenheit zusammen und vielleicht ist meine Kopfhaut einfach viel sensibler als die von anderen.

Roggenmehl als Haarwaschmittel

Weil die Haarwäsche mit Natron sich schon besser, aber immer noch nicht optimal angefühlt hat, habe ich es mit Roggenmehl ersetzt. Dieses ist sehr mild; mit einem pH-Wert von 5,5 entspricht es dem der Haut. Wahrscheinlich wirst du Roggenmehl bereits zu Hause haben, sodass du mit dem Probieren sofort loslegen kannst.

WARNUNG: Komme bitte nicht in Versuchung Weizenmehl zu verwenden! Ich habe es gemacht und es war ein Desaster! Durch die enthaltenen Gluten hat es sich mit dem Wasser zu einer Art Kleber vermischt und war aus meinen Haaren fast nicht mehr rauszubekommen. Ich war ernsthaft davon überzeugt, ich müsste mir eine Glatze schneiden…

Ansonsten ist das Verfahren super simpel: Mische wie beim Natron das Roggenmehl mit Wasser. Die Konsistenz sollte so flüssig wie herkömmliches Shampoo und leicht schleimig sein. Am besten ist es, wenn du die Mischung für eine halbe Sunde stehen lässt.

Hast du wie ich feines und glattes Haar, empfehle ich dir Roggenmehl Typ 1150 zu verwenden. Bei dickem und lockigem Haar eignet sich besser Vollkorn-Roggen(!)mehl. Je nachdem wie lang deine Haare sind, kannst du mehr oder weniger Mehl benützen. Probiere einfach ein bisschen rum bis du dein ideales Mischverhältnis gefunden hast.

Der Brei wird dann in die Kopfhaut einmassiert. Du solltest versuchen an jede Stelle ranzukommen, damit du später keine fettigen Stellen hast. Am Beginn wird es -wie bei der Natronpaste- komisch sein, dass das Ganze nicht schäumt. Ist aber wirklich nur reine Gewöhnungssache.

Das Ausspülen dauert etwas länger als bei herkömmlichen Shampoo, ist aber unkompliziert (außer du machst den oben beschriebenen Fehler mit Weizenmehl…!).

Mit Lavaerde Haare waschen

Die Anwendung ist identisch wie die mit Roggenmehl. Wie alle vorgestellten No Poo-Varianten ist auch Lavaerde frei von chemischen Stoffen und enthält stattdessen viele Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium und Silizium.

Leider kostet sie wesentlich mehr als Roggenmehl und ist auch nicht so nachhaltig in Bezug auf Regionalität. Lavaerde, auch unter dem Namen Ghassoul bekannt, wird nämlich im marokkanischen Gebirge abgebaut.

Generell würde ich dir für den Anfang deiner No Poo Karriere die Haarwäsche mit Roggenmehl empfehlen. Gefällt dir das Ergebnis, kannst du ja mal Lavaerde ausprobieren und ansonsten die anderen No Poo Varianten.

Nachhaltiger Conditioner: Saure Rinse

Die Schuppenschicht der Haare zu schließen ist normalerweise die Aufgabe vom Conditioner. Doch auch dafür gibt es eine natürliche Variante: Die saure Rinse.

Dafür gibst du ein Esslöffel (Apfel-)essig in eine Tasse und füllst diese bis oben hin mit Wasser. Das ganze kippst du dann über deine Haare. Der Essiggeruch verfliegt, sobald die Haare trocken sind.

Ich habe lange Zeit viel zu viel Essig verwendet. Immer sobald die Haare nass geworden sind, ist wieder der Essiggeruch da gewesen. Seitdem ich aber wirklich nur mehr einen Esslöffel Essig verwende und die Haare nochmals mit Wasser spüle, habe ich das Problem nicht mehr.

Bei der Methode mit Natron solltest du unbedingt eine saure Rinse verwenden und auch bei vielen Naturseifen macht das Sinn. Nach der Haarwäsche mit Roggenmehl ist sie nicht zwingend nötig.

Dieses natürliche Mittel lässt deine Haare schneller wachsen

Jetzt wird kommen: „Was es gibt sowas wie ein natürliches Haarwuchsmittel? Warum hast du mir das nicht vorher gesagt?!“ Tja, hätte ich das schon früher gewusst, hätte ich es dir verraten.

Aber besser spät als nie: Das Zaubermittel nennt sich Kaffee 🙂 Ich bin auch zuerst perplex gewesen, dass das morgentliche Getränk Haare schneller wachsen lassen soll. Die Wirkung zeigt sich zwar nicht sofort, aber für längere Haare beweisen wir doch gerne unsere Geduld, oder?

Das Verfahren ist jedenfalls super einfach: Du brühst Kaffee, lässt ihn abkühlen und kippst ihn über deine Haare. Am besten ist eine anschließende Kopfmassage, damit der Kaffee zu den Haarwurzeln kommt. Das Koffein ist nämlich für die Beschleunigung des Wachstums zuständig.

Fazit

Wie du gesehen hast, gibt es zig verschiedene Alternativen zu Shampoo, die weder teuer noch kompliziert anzuwenden sind. Ich kann dir nur empfehlen den Schritt zu wagen, auch wenn die Umstellung oft abschreckend ist. Es lohnt sich!

Hast du bereits eine der oben genannten Methoden ausprobiert? Wenn ja, welche? Was sind deine Erfahrungen damit?

QUELLENANGABEN (25.01.2021):

Benjamin Stern: Shampoo-Verpackungen, die sich auflösen – SZ Magazin (sueddeutsche.de)

Haare waschen mit Natron: Das sind die Vor- und Nachteile – Utopia.de

No-Poo – meine Erfahrungen und Tipps für den erfolgreichen Umstieg (smarticular.net)

Haare mit Roggenmehl waschen: Vorteile, Nachteile, Mischung (stylebook.de)

Haare waschen mit Lavaerde: Mein Test (feineseele.de)

Kaffee für die Haare: Koffein hilft nicht nur gegen Haarausfall (haarpflege-selber-machen.de)

Werbung, unbezahlt

WIE HAT DIR DER BEITRAG GEFALLEN?
[Abstimmungen: 0 Durchschnitt: 0]

Schreibe eine Antwort