Oft mündet der Glaubenssatz nicht genug zu sein in ein Perfektionsstreben
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Wie du dich vom Glaube nicht genug zu sein und dem daraus resultierenden Perfektionismus befreist

Wir sind umgeben von einer Leistungsgesellschaft. Nicht nur im Beruf herrscht oft das Motto „Leistest du mehr, bist du mehr“, sondern auch privat existiert bei vielen dieser Glaubenssatz.

Die Social Media Welt macht es auch nicht gerade einfacher. Kaum öffnen wir Instagram, springt uns eine Frau mit perfekter Figur entgegen. Oder ein Mann mit Adoniskörper. Im Fernsehen genau dasselbe: Die Schauspieler scheinen nicht zu altern oder sonstige etwaige Problemstellen zu bekommen.

Schon jung lernen wir durch diese groteske Scheinwelt wie wir auszusehen haben, wieviel wir leisten müssen und wie unsere Beziehungen zu verlaufen haben. Entsprechen wir nicht dem Ideal, kann das fatale Folgen für uns(ere Psyche) haben.

Wie entsteht der Glaubenssatz nicht genug zu sein und warum ist Perfektionismus eine Folge davon?

Durch ein mangelndes Selbstwertgefühl haben wir den Eindruck, nicht genug zu sein. Meistens sind es Erlebnisse aus der Kindheit, die zu diesem Selbstwert-Mangel geführt haben. Mobbing, verletzende Kommentare, Vergleiche mit Mitmenschen/Geschwistern, die Erziehung oder andere Erfahrungen können Grund für so einen Glaubenssatz sein.

Weil wir evolutionär Herdentiere sind, versuchen wir Ablehnung/Ausschluss (aus der Herde) zu vermeiden und Anerkennung zu gewinnen. Menschen, die sich nicht genug fühlen, neigen häufig zu Perfektionsstreben. Sie haben (unbewusst) Angst als Versager dazustehen und ausgeschlossen zu werden.

Damit das nicht passiert, wird alles daran gesetzt, offensichtlich fehlerfrei zu sein. Anerkennung wird bei ihnen gleichgesetzt mit fehlerfrei. Damit also keine Kritik geübt werden kann, entsteht dieser Wunsch makellos zu sein. Das kann sich in Form vom Aussehen (Schönheitswahn), aber auch im Beruf, Familie, Partnerschaft äußern.

Die eigenen Ansprüche werden nach oben geschraubt. Ziel ist es immer besser zu sein, weiter zu kommen, mehr zu leisten. Doch genau darin liegt das Problem: Es gibt immer ein noch höheres Ziel, ein noch besser.

Die innere Verunsicherung wird also überspielt mit total überzogenen Erwartungen, um durch entsprechende Erfolge anerkannt zu werden und damit ein Gefühl von „ich bin genug“ zu bekommen, das sich die Betroffenen selbst nicht geben können.

Wann ist Perfektionismus krankhaft?

Ich bin beim besten Willen keine Psychologin (auch wenn der Beruf lange zu meinen Favoriten gehört hat). Deshalb kann ich nur von meiner eigenen Einschätzung schreiben.

Ich würde sagen wenn dein Perfektionsstreben so stark ausgeprägt ist, dass es spürbar deine Arbeit, Beziehungen, soziale Kontakte und generell dein Leben beeinträchtigt, würde ich professionelle Hilfe holen.

Du kannst natürlich auch versuchen mit Büchern an dir zu arbeiten. Eine klare Empfehlung ist dieses hier. Aber ich denke eine Therapeutin kann durch ihre Ausbildung und Erfahrung besser auf dich eingehen.

Vielleicht traust du dich (noch) nicht eine Therapie zu beginnen, weil du dir nicht sicher bist, ob dein Verhalten überhaupt krankhafte Muster aufweist. In diesem Fall kann dir ein Selbsttest eine erste Einschätzung bieten.

Perfektionismus ablegen

Alleine mit dem Bewusstsein, dass dein Handeln auf die Anerkennung anderer ausgerichtet ist, hast du schon eine wichtige Erkenntnis erlangt. Um in Zukunft unabhängiger von der Meinung anderer Menschen zu sein, ist es wichtig im nächsten Schritt entsprechende Strategien zu finden.

Wie gesagt, würde ich dir dafür wirklich empfehlen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es kostet viel Mut das zu machen, den du vielleicht jetzt noch nicht hast. Deshalb möchte ich dir ein paar Tipps geben, die dir für den Anfang helfen können.

Warum ist Perfektionismus gut?

Du solltest niemals gegen etwas arbeiten. Dein Perfektionismus ist ein Teil von dir, den du zuerst annehmen lernen solltest. Das heißt nicht ihn gut zu heißen! Damit sich etwas auflösen kann, ist es eben wichtig es nicht zu verurteilen, sondern neutral zu betrachten und dann zu entscheiden ob du es behalten möchtest oder nicht.

Eine gute Übung deinen Perfektionismus anzunehmen, ist die positiven Seiten davon aufzuschreiben. Was für Positives bringt dein Perfektionismus mit sich?

  • Kraft?
  • Disziplin?
  • Fleiß?
  • Stärke?
  • Erfolg?
  • Gewissenhaftigkeit?
  • Ausdauer?

Ich bin mir sicher du wirst einige positive Punkte finden können.

Du bist gut so, wie du bist

Eine effektive Übung ist auch, dir jeden Tag ins Gedächtnis zu rufen, dass du gut genug bist. Du musst nichts leisten, sagen oder irgendeinem Standard entsprechen. Du darfst einfach sein.

Vielleicht bist du schon mit dem Thema Meditation vertraut. Wenn nicht, macht nichts. Entweder sagst du dir während dem Meditieren immer wieder (laut oder in Gedanken): „Ich tue genug. Ich habe genug. Ich bin genug“ oder du sagst diese mächtigen Worte jeden Morgen zu deinem Spiegelbild. Plane diese Übung wirklich aktiv ein; sie ist bei regelmäßiger Wiederholung sehr wirkungsvoll!

Allgemein kann ich dir tägliches Meditieren sehr ans Herz legen, um mehr über dich und deine Gefühle herauszufinden oder einfach ruhiger zu werden. Es kann dir helfen, zu erkennen, warum du perfektionistisch bist. Effektiv ist Meditation aber nur, wenn du dran bleibst.

Wie perfekt willst du sein?

Stelle dir diese Frage ganz bewusst. Gehe deinen Gedanken nach, was passiert wenn du eines deiner Ziele erreicht hast. Fühlst du dich dann erleichtert? Glaubst du, dann erst richtig und ganz zu sein? Und wäre es mit dem Erreichen des einen Ziels getan oder fallen dir sofort weitere ein, die du unbedingt erreichen musst?

Mache dir bewusst, dass -egal welches Ziel du erreichst- es immer eine optimierte Version gibt. Du musst lernen, deinen bereits erbrachten Erfolg wertzuschätzen und dich selbst mehr zu lieben als die Meinung anderer Menschen. Dann wirst du nicht mehr (unbewusst) unerfüllbaren Idealen hinterherrennen.

Ebenso wichtig ist, sich bewusst zu sein, dass man es nicht allen Menschen recht machen kann. Du kannst dich noch so verausgabend darum bemühen, die Erwartungen und Meinungen anderer zu erfüllen. Niemals wirst du aber alle damit glücklich machen können und schon gar nicht dich selbst. Was zählt ist, deine Wünsche und Ziele zu erfüllen; du lebst ja schließlich dein Leben und nicht jemand anderer.

Trenne dich von dem, was dir nicht gut tut

Viele benutzen den Perfektionismus wie eine Maske

Falls du das Gefühl des nicht genug seins nur bei ganz spezifischen Personen hast, dann löse dich von solch negativen Einflüssen. Du musst nicht mit jedem Freund sein und schon gar nicht, wenn diese Peron/en bei dir negative Gedanken auslösen. Oft merkst du erst später wie gut dir diese Loslösung von einem bestimmten Umfeld tut, weil es dich unbewusst (negativ) geleitet hat.

Auch ein Social Media Detoxing kann dir helfen wieder mehr zu dir zu finden und das zu machen, was deinem wahren Ich entspricht. Ich glaube die meisten von uns unterschätzen wie stark wir von der digitalen Scheinwelt geblendet und beeinflusst werden. Wir sehen ständig Bilder von gephotoshopten Körpern und halten sie für real. Unser Unterbewusstsein kann ja auch nicht klar unterscheiden: „So dieser Arsch ist jetzt bearbeitet und jener nicht.“

Fazit

In diesem Artikel habe ich nur einen Teil vom Perfektionismus und dem Gefühl des nicht genug seins behandelt. Es gibt zig Formen und Auswirkungen; über alle zu schreiben wäre in dieser Kürze wohl kaum möglich. Deshalb habe ich versuchte die Grundzüge festzuhalten und auf die (meiner Meinung nach) am häufigsten vorkommenden Probleme einzugehen.

Klar ist: Würden wir alle mehr zu uns selbst stehen, unsere Makel akzeptieren und sie zeigen, würde dieses “Bild vom Perfekt-Sein“ wegfallen. Hinter jeder Maske steckt nämlich ein Individuum, das darauf wartet sich zu entfalten und sich zu zeigen. Jeder verdient es zu sein; einfach SEIN.

Perfekt sein muss nur, wer sonst nichts zu bieten hat!

Lassen wir das lieber mit dem Sprüche klopfen…

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