Sharing economy
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Sharing economy: Gemeinsam gegen den Konsum!

„Sharing is caring“

Ich kann mich noch gut an diese Aussage meiner Ex-Mitschülerin (die Schulzeit ist zum Glück Vergangenheit!) erinnern, während sie mir einen Teil ihrer Jause angeboten hat. Dieses Lebensmotto hat mich schon damals beeindruckt; dass es Jahre später aktueller ist denn je, hätte ich damals jedoch nicht erwartet.

Andererseits ist es in einer vom Konsum geprägten Welt, wo der Fokus mehr auf das ich und mein liegt als auf dem wir und unser, dringend notwendig geworden, Konzepte zu entwickeln, die das Teilen bzw. Leihen wieder aufleben haben lassen.

Passend dazu spricht man von einer sharing economy, die es sich zum Ziel gemacht hat vom Eigentum wegzukommen. Anstatt dass also jeder selbst zum/r Besitzer/in von Gütern wird, sollen die Gegenstände, Räume, Flächen, usw. von jedem vorübergehend nutzbar sein; je nachdem wer was gerade braucht.

Wie Gesellschaftskonsum aber genau funktioniert und welche Formen es davon gibt, erfährst du ausführlich in den nächsten Absätzen. Bleib also gespannt!

Was ist sharing economy?

Wortwörtlich würde die Übersetzung „Wirtschaft des Teilens“ heißen. Normalerweise benützt man im Deutschen aber die Bezeichnung Gemeinschaftskonsum. Besitztümer werden dabei geteilt; entweder kostenlos oder gegen Geld; verschiedenste Plattformen im Internet dienen als Vermittlungsstelle.

Wenn man fürs Teilen bezahlen muss, kann dann noch von einem „Caring“ (sich kümmern) die Rede sein? Diese Frage wird öfters gestellt, doch es gibt darauf keine klare Antwort-wo die Grenze liegt, muss wohl jeder für sich entscheiden.

Was aber sicher ist: Es ist wesentlich nachhaltiger (und günstiger) sich z.B. ein Auto mit anderen zu teilen als sich selbst eines zu kaufen, welches dann im Vergleich meist nicht so gut ausgelastet ist. Somit könnte man auch von einem sich Kümmern sprechen-einem sich Kümmern um die Natur.

Bevor wir hier jetzt aber Wortklauberei betreiben, lass uns zum interessantesten Teil kommen: Welche Formen der sharing economy existieren überhaupt?

Welche sharing economy Möglichkeiten gibt es?

Sharing economy-Mobilität

Carsharing

Eines der bekanntesten Modelle der sharing economy ist wohl carsharing: Auf dem Land eher schwierig, in Städten aber zuhauf vertreten. Ideal ist das Modell für Menschen, die schnell von A nach B kommen müssen oder nur hin- und wieder Fahrten tätigen.

Die jeweiligen Regeln bei dem Ganzen bestimmt der Betreiber. Grundsätzlich muss man sich vorher anmelden und man bekommt eine Mitgliedskarte (oder einen Zugang übers Smartphone), mit der man das Auto entsperrt.

Meistens kann man mittels einer App schauen, wo sich das nächste verfügbare Fahrzeug befindet. Im Unterschied zu Mietautos muss man sie normalerweise nicht reservieren, die Möglichkeit besteht aber. Der Preis ergibt sich dann durch die gefahrenen Kilometer und der Fahrzeit, wobei Wartung und Reinigung, sowie Sprit inkludiert sind.

Was viele nicht wissen: Es existiert auch noch das private Carsharing, bei dem das Fahrzeug entweder mit Bekannten oder Nachbarn geteilt wird oder auf Plattformen wie z.B. snappcar auch für Fremde zugänglich gemacht wird.

E-Roller- & Bikesharing

Sharing economy: Bikesharing
Wie wär’s mit Bikesharing anstatt einem eigenen Fahrrad?

Bestimmt hast du schon mal diese praktischen Roller gesehen, mit denen Leute an dir vorbeigedüst sind, während du zu Fuß die Stadt erkundet hast. In Wien waren sie jedenfalls zusammen mit den ausleihbaren Fahrrädern überall in Benützung.

Das Prinzip ist dasselbe wie beim Carsharing, bloß wesentlich günstiger. Hier wird nämlich nur nach Nutzungsdauer abgerechnet, wobei die erste halbe Stunde oft kostenlos ist.

Nach der Fahrt müssen die Fahrräder an eine der zahlreichen Rückgabestationen zurückgebracht werden, E-Roller können meist einfach am Straßenrand abgestellt werden. Dies bietet einen weiteren Vorteil gegenüber Carsharing: Die lästige Parkplatzsuche entfällt.

Außerdem schneiden E-Roller und Fahrräder im Vergleich zu einem Auto natürlich deutlich besser ab bezüglich Emissionen. Allerdings muss auch beachtet werden, dass sich bei Ersteren der Verwendungszweck auf den Bereich der Innenstadt beschränkt; will man außerhalb mobil sein, muss man dann doch eher zu einer anderen Möglichkeit greifen.

Ridesharing

Bei uns würde man dazu ganz einfach „Sammeltaxi“ sagen. Preislich liegt ridesharing höher als die Öffis, aber deutlich unter den „normalen“ Taxis. Das liegt daran, dass du gegebenenfalls auch mit anderen Fahrgästen und kleinen Umwegen rechnen musst (was natürlich eine längere Fahrtzeit bedeutet).

Nutzen kannst du ridesharing, indem du online angibst, an welcher Kreuzung du abgeholt werden möchtest und wo dein Zielort ist. Die Kosten ergeben sich schließlich aus der zurückgelegten Strecke; wieviel du pro pro Kilometer zahlst solltest du beim Anbieter nachlesen können.

Mitfahrgelegenheiten

Wie könnte ich sie hier nicht nennen: Die gute, alte Mitfahrgelegenheit. Heutzutage leider wenig praktiziert, ist sie aber dennoch eine gute Möglichkeit von A nach B zu kommen. Auf meiner Reise bin ich mithilfe des Trampen bis ganz nach Sizilien gereist; man braucht dafür aber ein bisschen Geduld und vor allem viel positives Denken.

Falls dir jetzt durch den Kopf schießt „Ja ok, sowas ist vielleicht in Süditalien möglich, wo die Leute total offen sind“, dann kann ich nur sagen: Nein, mein Kollege (der damals übrigens auch mitgereist ist) hat als Autostopper weite Teile Deutschlands besichtigt.

Durch ihn habe ich auch die Plattform blablacar kennengelernt, die Menschen die Gelegenheit gibt entweder nach Mitfahrgelegenheiten zu suchen oder welche anzubieten. Möchtest du z.B. von Hamburg nach Berlin, werden dir entsprechende Fahrten angezeigt. Du kannst dann die Fahrer anschreiben und mit ihnen den Treffpunkt und den Preis ausmachen (ist normalerweise günstiger als ein vergleichbares Zugticket).

Sharing economy-Kleidung

Kleidung mieten

Die meisten kennen das Problem: Voller Kleidungsschrank und trotzdem nichts zum Anziehen. Glaubt man den Zahlen, benützen wir nur wenige von unseren durchschnittlichen 95 Kleidungsstücken-knapp die Hälfte davon landet schließlich UNGETRAGEN im Müll* (Quelle).

*mehr über Fast Fashion kannst du hier erfahren

Um diesem Phänomen entgegenzuwirken gibt es das Konzept „mieten statt neu kaufen“.
Ja du hast richtig gehört: Man kann sich Kleidung auch ausleihen (so wie die Bücher in einer Bibliothek-nur in trendy😉).

Es gibt also Geschäfte, wo du einen gewissen Betrag zahlst und dir dafür eine bestimmte Anzahl an Kleidungsstücken ausleihen darfst. Bei der Kleiderei kannst du z.B. 4 Teile aussuchen und diese so oft tauschen wie du möchtest, falls du Bock auf was Neues hast.

Das Ganze existiert auch in Form von Onlineshops, wobei da meiner Meinung nach das ständige Hin-und Zurückschicken wieder einiges am nachhaltigen Konzept kaputt macht. Umweltschonender ist es aber auf alle Fälle bereits sich im Umlauf befindende Kleidung zu nutzen, anstatt neue zu kaufen, die dann ungetragen im Schrank landet.

Was ich auch als großen Vorteil sehe ist, dass man durch dieses Konzept viel mehr Abwechslung in seinen Modealltag bringen kann. Anstatt nur schwarz zu tragen, traut man sich vielleicht auch mal an farbige Sachen, denn: Falls es einem nicht gefällt, kann man die Teile ja wieder zurückbringen. Goodbye Fehlkauf!

Tauschpartys: Kleidung tauschen

sharing economy: Kleidung mieten
Kleidung einfach mieten: Ein nachhaltiges Konzept

Vor allem in Großstädten werden oft sogenannte Tauschpartys organisiert. Diese sind ideal, falls du noch gut erhaltene Kleidung besitzt aber keine Lust hast sie zu verkaufen. Dort kannst du nämlich nach Stücken Ausschau halten, die dir gefallen und im Gegenzug deine anbieten.

In der Praxis sind die meisten allerdings froh, die eigenen Teile loszuwerden und erwarten dafür oft nicht mal ein Gegenstück. Viele genießen nämlich einfach den Kontakt mit Gleichgesinnten; die ein oder andere Freundschaft ist wohl auch schon auf Tauschpartys entstanden.

Falls du jedoch nicht so der Ich-liebe-es-neue-Menschen-kennenzulernen-Typ bist, kommt dir das digitale Zeitalter definitiv zu Nutzen. Du kannst nämlich auch online (das bekannte Kleiderkreisel wurde mittlerweile von vinted abgelöst) deine Kleidung tauschen.

Sharing economy-Lebensmitteln

Foodsharing

Wahrscheinlich kommt den Wenigsten bei sharing economy der Begriff Foodsharing in den Sinn. Tatsächlich funktioniert Gemeinschaftskonsum beim Essen aber total gut. Es ist auch eine optimale Möglichkeit Lebensmittelverschwendung vorzubeugen.

Denn stell dir vor: Du hast wieder einmal zu viel eingekauft, es ist Sommer und bei den hohen Temperaturen wird das Meiste ziemlich schnell schlecht. Was machst du? Warten bis die Lebensmittel vergammeln und sie dann entsorgen?

Nun, da ist es wohl schlauer sie Menschen zur Verfügung zu stellen, die sie noch nutzen können, oder? Nein, keine Angst, du musst dafür kein Plakat an deiner Haustür anbringen und Fremde in Empfang nehmen.

Das geht viel einfacher: In Wien (und anderen Großstädten) gibt es z.B. frei zugängliche Kühlschränke, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Dorthin kannst du deine überflüssigen Lebensmittel bringen oder auch ganze Gerichte, falls du mal zuviel gekocht hast und nicht alles davon essen kannst.

Die sogenannten Fairteiler werden aber nicht nur von Privatpersonen aufgefüllt; zahlreich zu finden (so war es jedenfalls damals bei mir) sind Bananen und Brot; Lebensmittel, die täglich von den Supermärkten aussortiert werden.

Alternativ gibt es auch Plattformen wie Mundraub. Dort kannst du online auf einer Karte sehen, wo Bäume bzw. Sträucher stehen, deren Früchte man pflücken darf. Eintragen können sich aber auch Leute, die z.B. nicht wissen wohin mit ihrer ganzen Ernte und sie deshalb mit anderen teilen möchten.

Sharing economy-Übernachtungen

Couchsurfing

Natürlich könnte ich hier auch Airbnb auflisten, aber da es meiner Meinung nach dabei weniger um den Gedanken des Gemeinschaftskonsums geht, möchte ich mich bei den Schlafmöglichkeiten auf Couchsurfing beschränken.

Mittlerweile muss man zwar für die Anmeldung (+monatlich) auf der Plattform eine Gebühr bezahlen, trotzdem ist das Prinzip dasselbe geblieben: Privatpersonen stellen Unbekannten ihre Couch zur Verfügung; meist aus dem Grund fremde Kulturen und neue Menschen kennenzulernen.

Oft sind die Gastgeber bereits viel gereist und haben selbst couchsurfing „betrieben“, wodurch eine gewisse Offenheit da ist und ganz interessante Gespräche entstehen*. Viele zeigen den Gästen auch die Umgebung und unternehmen zusammen etwas; das hängt jedoch immer von der Person ab.

*nicht dass man dafür zwingend reisen müsste; aber verschlossene, skeptische Menschen werden wahrscheinlich nicht einfach so Fremde zu sich nach Hause einladen

Fazit

Es gibt viele Formen der sharing economy; bestimmt habe ich nicht alle in diesem Beitrag erwähnt. Doch darum geht es mir auch nicht. Viel wichtiger finde ich es, sich mit dem Thema Gemeinschaftskonsum zu befassen und sich (vielleicht vor dem nächsten Einkauf) zu fragen:

Muss ich das wirklich alles besitzen oder kann ich mir manche Dinge auch mal nur ausleihen?

Ich bin nämlich überzeugt, dass das wir weg müssen von dem Bedürfnis alles neu und nur für uns haben zu müssen, wenn wir hin zu einem bewussteren Konsum, einer nachhaltigeren Lebensweise wollen. Wie sonst sollen wir es schaffen dem endlosen Verbrauch ein Ende zu setzen?

QUELLENNACHWEISE (abgerufen am 08.-12.09.2021)

https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/sharing-economy-53876#:~:text=Der%20Begriff%20der%20Sharing%20Economy%20(auch%20%22Shared%20Economy%22),insbesondere%20durch%20Privatpersonen%20und%20Interessengruppen.

https://www.econstor.eu/bitstream/10419/215685/1/1693847310.pdf

https://kleiderei.com/so-funktionierts/

https://www.shareonimo.at/news/sharing-economy-was-genau-ist-jetzt-damit-gemeint-,32.html

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