Killerphrase kontern
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Die Top 6 Killerphrasen der Nachhaltigkeit kontern

Wer kennt’s nicht: Man trifft sich mit seinen Verwandten auf Kaffee und Kuchen und sitzt gemütlich zusammen am Tisch bis schließlich ein Thema aufkommt, bei dem die Meinungen nicht unterschiedlicher sein könnten.

Schon jetzt ist klar, dass eine Diskussion unausweichlich ist-an und für sich ja nichts Besorgniserregendes. Die Wahrscheinlichkeit ist allerdings hoch, dass sie so abläuft wie immer…

D.h. es wird mindestens zwei verschiedene „Parteien“ geben; beide haben allerdings nicht das Ziel den Gegenüber zu verstehen. Viel mehr werden sie versuchen ihre Meinung dem anderen bekannt zu geben mit dem Glaube dieser würde dann dieselbe annehmen.

Bei diesem Überzeugen-wollen kommen zwangsläufig auch Emotionen ins Spiel; das Gespräch kann dadurch nicht mehr auf der sachlichen Ebene stattfinden.

Fühlt sich erst mal jemand angegriffen, verletzt, wütend,… dauert es nicht mehr lange und aus der ursprünglich harmlosen Unterhaltung wird eine hitzige Auseinandersetzung. Keiner will nachgeben; das würde ja bedeuten sein Gesicht zu verlieren, stimmt’s?

Dies ist der Punkt, an dem ein regelrechter Wettkampf entsteht, dem anderen bzw. allen Beteiligten zu beweisen, dass man Recht hat. So wird tief ins Repertoire (mehr oder weniger) überzeugender Argumente gegriffen.

Eine beliebte Strategie, um den anderen endgültig mundtot zu machen, ist mit sogenannten Totschlag-Argumenten zu arbeiten. Solche Killerphrasen mögen im ersten Moment zwar logisch nachvollziehbar sein und deshalb als schlüssig erscheinen, entpuppen sich aber häufig als kompletter Bullshit.

Damit du dich nicht auch mit solchen Scheinargumenten herumschlagen musst (und weil manche davon echt so bescheuert sind, dass man fast schon wieder lachen muss), stelle ich dir heute die Top 6 Killerphrasen vor, mit denen ich in der Vergangenheit am häufigsten konfrontiert wurde (und verrate dir natürlich auch wie du sie entkräftest).

Eines kann dir bereits sagen: Bleib dran, denn es wird spannend…

Killerphrase N.1: Flugzeuge fliegen sowieso

Meine Antwort darauf ist: „Glaubst du ernsthaft eine Fluggesellschaft würde auf Dauer Flüge anbieten, auch wenn keine Passagiere an Bord wären?! Jungchen, wach auf!“

Im Kapitalismus geht es ums Geld; Angebot und Nachfrage bestimmen Markt und Produktion. Unternehmen wollen Profit erwirtschaften, was ja logischerweise nur geht, wenn es auch zahlende Kunden gibt.

Den Flug nach Malle anzubieten ist also für eine Fluggesellschaft nur so lange interessant, wie es genug Leute gibt, die das Angebot auch nutzen. Ansonsten wäre das Ganze ja nicht rentabel bzw. sogar ein Minusgeschäft, das langfristig nicht funktionieren kann.

Killerphrase N.2: Fair Fashion ist doch nur eine Strategie sich ein goldenes Näschen zu verdienen

Natürlich müssen wir einer Firma ab einem bestimmten Grad vertrauen. Wir können uns nie sicher sein, ob sie in ihren Videos die tatsächlichen Produktionsbedingungen zeigen oder ob genannte Versprechen auch wirklich eingehalten werden.

Selbst wenn wir eine Produktionsstätte vor Ort anschauen, könnte es sein, dass es bei den übrigen Anlagen ganz anders aussieht und wir nur ein Musterbeispiel präsentiert bekommen.

Kaufen wir allerdings Fast Fashion ist von vornherein schon klar: Adieu Fairness, Respekt und Nachhaltigkeit. Es ist der Entschluss ein System zu unterstützen, das für Sklaverei, schreckliche Arbeitsbedingungen, umweltbelastende Herstellungsmethoden, Überproduktion, Umweltverschmutzung uvm. steht.

Im Gegenteil zur Fair Fashion Branche fallen hier die schwarzen Schafe nicht auf, weil wir von einer Herde Gleichgesinnter sprechen. Doch gerade deshalb sollten wir hier genauer hinsehen, findest du nicht?

Killerphrase N.3: Glaubst du wirklich Bio wäre besser?

Killerphrase Bio ist eine Lüge

Nicht Bio einzukaufen bedeutet die konventionelle Landwirtschaft zu unterstützen. Damit sagst du zum Großteil „Ja“ zu Firmen, die Tiere auf wahnsinnig engem Raum zusammenpferchen, die Antibiotika standardmäßig einsetzen, die Pestizide wie das Wasser zum Gießen benützen, die bekannt sind für das Bienensterben verantwortlich zu sein,… (mehr dazu hier)

Auch ich halte Bio nicht für das Optimum. Allerdings erkenne ich darin einen wichtigen Schritt zu weniger ausgelaugten Böden, mehr Artenvielfalt und der Reduktion von Monokulturen. Nur um ein paar Beispiele zu nennen.

Natürlich wäre es schön, wenn alle Unternehmen im Sinne der Permakultur arbeiten würden. Bis dahin wird es aber noch ein weiter Weg sein, dessen Anfang der biologische Anbau bilden kann.

Falls du noch völlig am Beginn stehst und nicht jedes Unternehmen einzeln unter die Lupe nehmen möchtest, kann ich dir empfehlen dich mit Siegeln vertraut zu machen. Manche von ihnen haben strenge Richtlinien mit entsprechenden Kontrollen, die ein Greenwashing schwierig machen.

Killerphrase N.4: Nicht jeder kann sich Nachhaltigkeit leisten

Ich stimme völlig zu: Nicht jeder auf der Welt kann sich einen nachhaltigen Lebensstil leisten. Viele können es aber auch nur nicht in jedem Bereich. Deshalb betone ich immer wieder, dass es nicht darum geht perfekt nachhaltig zu leben.

Außerdem ist es ein Prozess alte Gewohnheiten und Denkmuster aufzulösen. Hinterfrage dafür deine Prioritäten: Brauche ich wirklich jedes Monat neue Klamotten, um mich wohl zu fühlen oder kaufe ich mir lieber einige wenige aber dafür qualitativ hochwertige Teile?

Vor allem in der Modeindustrie merkt man nämlich die Kurzlebigkeit der hergestellten Ware: Billige Kleidungsstücke sind oftmals schnell abgetragen, die Farben ausgewaschen und der Stoff ausgeleiert (achte auf die richtigen Materialien).

Hochwertige Produkte zu kaufen, die nicht so schnell ersetzt werden müssen, kann sich also (auch für den Geldbeutel) lohnen. Hast du wirklich nicht das nötige Kleingeld dafür, sind Tauschpartys oder Secondhand-Geschäfte eine gute Anlaufstelle.

Falls du eher nach Tipps suchst deine Lebensmittelversorgung nachhaltiger zu gestalten, schau unbedingt hier und hier vorbei. Liegt dein Fokus beim Thema Nachhaltigkeit stattdessen aufs Bad, kannst du gerne einen dieser Artikel zur Hilfe nehmen.

Du wirst merken: Ein nachhaltiger Lebensstil muss nicht immer teuer sein.

Killerphrase N.5: Als Einzelner habe ich sowieso kaum Einfluss

Dieser Gedanke ist verständlich. Menschen wie Mahatma Gandhi, Martin Luther King oder Nelson Mandela haben mit ihrem unerschütterlicher Glaube allerdings das Gegenteil bewiesen. Sie haben gezeigt, dass keiner zu klein ist, um Großes zu bewirken.

Sicherlich steht man am Beginn mit seiner Überzeugung oft gefühlt alleine da und trifft damit bei seinen Mitmenschen auf Unverständnis. Für jede Veränderung muss zuerst aber erstmal ein Bewusstsein geschaffen werden; dies ist der erste Schritt.

Als einzelne Person kannst du definitiv Menschen dazu bewegen ihre Glaubenssätze und Einstellungen zu überdenken, um sie an eine neue Idee zu gewöhnen. Sobald mehr Leute darüber sprechen und sie öfter davon hören, wird sie ihnen auch weniger skurril erscheinen.

Ich bin z.B. überzeugt, dass das u.a. auch der Grund ist, warum der Veganismus so vorangeschritten ist: Am Beginn waren die Menschen bei dem Thema noch sehr skeptisch (so auch ich), doch je mehr Leute sich damit auseinandergesetzt und darüber gesprochen haben, umso weniger bedrohlich erschien diese Denk- bzw. Lebensweise, sodass sie mittlerweile viele selbst angenommen haben.

Killerphrase N.6: Sei du bloß still! Du kaufst doch selbst Bananen aus Chile und fliegst in den Urlaub!

Dein Gesprächspartner versucht dich persönlich anzugreifen-auch eine Strategie. Probiere ruhig zu bleiben und sag ihm: „Keiner macht alles perfekt; auch ich nicht.“

Oft nützt es auch seine Sichtweise zu erklären: Vielleicht bist du die letzten 5 Jahre immer mit dem Zug verreist und beim nächsten Urlaub den Flieger zu benützen ist deshalb nicht Standard, sondern eine Ausnahme.

Außerdem ist Nachhaltigkeit immer eine Abwägungssache: Ist es besser biologische, fair gehandelte Bananen aus Chile zu kaufen oder welche aus näherer Umgebung, die allerdings aufgrund des unpassenden Klimas nur im Gewächshaus wachsen, für das es wiederum viel Energie braucht?

Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Ökobilanz eines Produktes (egal ob bei Lebensmittel oder z.B. bei Kleidung). Leider ist diese aber meist nicht klar ersichtlich, weshalb wir oft eine Entscheidung anhand eigener Kriterien treffen müssen.

Während also deinem Gegenüber möglicherweise Regionalität wahnsinnig wichtig sein kann, liegt bei dir vielleicht die faire Herstellung mehr im Fokus. Beides ist doch lobenswert; die meisten Sachen werden eben nicht allen Bereichen der Nachhaltigkeit gerecht.

Außerdem: Wir brauchen nicht einige wenige, die perfekt nachhaltig leben, sondern Millionen, die es unperfekt machen!

Fazit

Wahrscheinlich wirst auch du dir noch einige solcher idiotischer Totschlag-Argumente anhören müssen…äh dürfen. Für die nächste Diskussion bist du jetzt jedenfalls vorbereitet; ich rate dir deinem Gegenüber oben Genanntes ruhig zu vermitteln, denn es geht wie gesagt nicht darum das Gespräch irgendwie zu gewinnen.

Weiterhin alles Gute,
Bettina

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